Review: The Cave – Das Höhlen-Adventure im Test

Seit gestern ist The Cave von Double Fine und Sega nun auch im AppStore verfügbar: Jetzt könnt ihr das Jump&Run-Adventure auch unterwegs auf euren iGeräten genießen und die geheimnisvollen Kammern im Untergrund erforschen…

Bei dem Spiel erkundet ihr eine Höhle, die im Gegensatz zu vielen anderen Exemplaren ein Eigenleben besitzt und sprechen kann. Zu Beginn müsst ihr euch drei von sieben sehr unterschiedlichen Charakteren heraussuchen: Von einem unbesiegbaren Ritter über eine Zeitreisende bis hin zu einem Farmer mit endlos langen Luftvorräten unter Wasser findet man eine bunte Truppe vor, die eine Entscheidung schwer macht. Je nachdem wie ihr euch entscheidet, ändert sich auch das Gameplay…

Jedem Charakter ist ein spezieller Teil der Höhle gewidmet, der nur von ihm geöffnet werden kann. Will man also die komplette Höhle sehen, muss man sich mit verschiedenen Charakteren erneut hineinwagen. Am Ende gibt es übrigens zwei alternative Sequenzen, je nachdem wie ihr euch bis dorthin durchgeschlagen habt.

An der Story merkt man das Mitwirken von Ron Gilbert, der schon an Monkey Island beteiligt war, das nach Jahren immer noch als eins der schönsten und einflussreichsten Adventures gilt. Man trifft eine Menge verrückter Charaktere, die wunderbar gezeichnet sind und die der Geschichte immer wieder überraschende Wendungen geben. Die Aufgaben bestehen zumeist aus Schalterrätseln und Hol&Bring-Diensten, die leider häufig doppelte Wege eingebaut haben, um die Spielzeit etwas zu strecken – das nervt. Die Rätsel selbst sind fair und folgen meist logischen Grundsätzen, so dass man die fehlende Hilfefunktion oft nicht vermisst. The Cave kommt den Spielen der tollen LostWinds-Reihe sehr nah, nur das sich hier durch die drei Charaktere die Rätsel deutlich komplexer gestalten und etwas langatmiger wirken – was nicht jedem gefällt.

Im Gegensatz zur PC Variante, kann man hier die drei Charaktere über ein Symbol am Bildschirmrand wechseln – das funktioniert deutlich besserer und zielsicherer als mit einem Gamepad durchzuschalten. Für die Steuerung wurde auf jegliche Buttons verzichtet. Man bewegt die Figuren durch Gesten und aktiviert Gegenstände durch direktes antippen, virtuelle Buttons gibt es nicht. Das benötigt eine kurze Eingewöhnung, doch dank KI-Unterstützung hat man das Spiel schnell unter Kontrolle – eine Alternative wäre trotzdem gut.

Die Grafik lässt sich zu 90% mit dem großen PC-Bruder vergleichen – mit anderen Worten: Es sieht verdammt schick auf einem iGerät aus! Das Artwork ist großartig, die lustigen Figuren haben allesamt Charakter, schicke Animationen auch die Schauplätze sind atmosphärisch und immer wieder überraschend. Allerdings gibt es selbst auf einem neuen iPad ab und an Ruckler, daher würde ich Besitzern eines iPad 2 und mini tendenziell zur Konsolen- oder PC-Version raten.

Auch die Ohren werden verwöhnt: Die Stimmen (vor allem der Sprecher der Höhle) sind großartig – zwar in Englisch, doch mit deutschen Untertiteln in Menüs, sämtlichen Texten und Spielelementen – die Höhle kommentiert dabei viele Aktionen angemessen verrückt und lässt so auch häufige Versuche noch unterhaltsam geraten. Auch der Soundtrack und die Geräusche in der Höhle machen das Tragen von Kopfhörern fast schon zur Pflicht.

Wer auf abgedrehte Adventures mit tollem Humor steht, ist bei The Cave an der richtigen Stelle. Allerdings muss man auch die stark ausgeprägte Jump&Run Komponente mit der OneTouch-Steuerung mögen, die manchmal mehrere Anläufe bedarf. Grafik, Sound und Rätsel sind toll. Als Gesamtwerk betrachtet, ist das Spiel ein kleiner Meilenstein im AppStore. Die Portierung für iOS ist gut gelungen: Die Grafik läuft meist flüssig, der Speicherbedarf ist mit rund 1GB noch okay und die Steuerung geht nach Eingewöhnung gut von der Hand. Unterm Strich ein empfehlenswertes, weil unterhaltsames und komplexes Jump&Run-Adventure. Ab in die Höhle!

The Cave
The Cave
Entwickler: SEGA
Preis: 5,49 €
+ schicke Grafik
+ tolle Rätsel
+ verrückte Story
+ viel Humor
+ Offline-Hilfe
+ einfache Steuerung
+ verschiedene Charaktere
+ professionelle Sprecher
+ passender Soundtrack
+ deutsch
+ GameCenter Support
+ Universal-App
– reagiert etwas träge
– keine iCloud-Savegames
– keine Steuerungsalternative/-optionen

Über Tobi

Tobi gründete die AppGemeinde 2010 und führte sie sieben Jahre lang fast im Alleingang mit Liebe zum Zocken fort - bevor er sie 2018 abgegeben hat. In dieser Zeit veröffentlichte er hier rund 2.500 Artikel.