Review: Bloodstroke – Ballerspiel mit Aquarelloptik

Mein Name ist Mai Lee, sie kennen mich vielleicht eher unter dem Codename Lotus. Nachdem es in der freien Wirtschaft nicht so lief, bin ich nun im Security-Geschäft und beschütze wichtige Leute. Gerade kümmere ich mich darum, dass ein Wissenschaftler mit explosivem Kenntnissen wohl behütet zu seinem Auftraggeber kommt. Doch statt einen gepanzerten Wagen vorfahren zu lassen, besteht mein Boss wiederum darauf, dass ich mit ihm durch die Straßen laufe – und die voll sind mit Gegnern. Wäre ich doch mal in der Wirtschaft geblieben! Auch da werden von oben Fehlentscheidungen getroffen, aber nicht gleich mit lebensbedrohlichen Auswirkungen für die Angestellten…

Bei Bloodstroke von Chillingo lauft ihr als galante Leibwächterin durch die Straßen, hinter euch stets der zu schützende Wissenschaftler, der automatisch rennt. Ihr solltet euch also ranhalten und schon mal den Weg abchecken – und die bösen Buben aus dem Weg räumen. Im Idealfall von Weitem mit euren beiden Knarren oder im Nahkampf mit einem Schwert. Leider weiß man nie genau, wo die Reise hingeht und so passiert es schon mal, dass man in die falsche Straße abbiegt, während der Professor einen anderen Abzweig nimmt. Ärgerlich. Die meisten Level sind recht kurz und nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Minimale Abwechslung bieten kleine Herausforderungen, bei denen man eingekesselt an einem Punkt steht und mehrere Gegnerwellen überstehen muss.

Leider bleibt das Spiel auf Dauer monoton – immer das gleiche Gameplay: Man rennt vor und killt die namenlosen Gegner. Ja, es wird schwerer, aber nicht leider anders. Dafür wird man etwas von der wunderbaren Optik entschädigt, die aussieht als hätte sie ein begnadeter Künstler mit Aquarellfarbe aufs grobe Papier gezeichnet. Alles ist schwarz/weiß, nur der rote Mantel von Mai Lee und das Blut bilden einen Kontrast. Auch der asiatische Einschlag der Story kommt hier zum Vorschein.

Noch etwas zum Thema Story – diese wurde extra vom berühmten John Woo geschrieben, doch damit hat er sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Wie das Gameplay bleibt auch die Geschichte einsilbig und vorhersehbar, das hätte auch ich in 5 Minuten auf dem Weg zur Post geschrieben… Diesen Aspekt kann man also komplett vernachlässigen.

Mit steigendem Schwierigkeitsgrad benötigt man auch selbst stärkere Waffen und sollte so häufig im Shop vorbeischauen. Hier kann man sich selbst mit besseren Wummen und Panzerung versorgen, aber auch den Wissenschaftler kann man hier ausstatten. Natürlich gibt es auch Spielwährung für echtes Geld zum Nachlegen, allerdings ist dies nicht wirklich nötig. Trotzdem wird so mancher Ladebildschirm von unnötigen Hinweisen zum Shopbesuch verschwendet, statt hier lieber etwas Story zu erzählen.

So gut wie Bloodstroke aussieht und sich auf der GamesCom angespielt hat, so farblos wirkt es bei näherer Betrachtung. Im Prinzip stimmen alle Komponenten: Das Artwork ist toll, es läuft flüssig, einen passenden Sound gibt es auch und das Gameplay ist nett. Allerdings geht der engagierten Securitydame mit jedem immer gleichen Level schnell die Puste aus. Für ein paar arcadelastige Minuten ist es sehr unterhaltsam, mehr aber nicht.

Bloodstroke (AppStore Link) Bloodstroke
Hersteller: Chillingo Ltd
Freigabe: 17+4
Preis: 0,99 € DOWNLOAD
+ wunderschönes Artwork
+ intuitive Steuerung
+ zwei Spielmodi
+ passender Sound
+ InAppKäufe nur optional
+ GameCenter Anbindung
+ Universal-App
– englisch
– monotones Gameplay
– wenig Langzeitmotivation
– keine iCloud Savegames

Über Tobi

Tobi gründete die AppGemeinde 2010 und führte sie sieben Jahre lang fast im Alleingang mit Liebe zum Zocken fort - bevor er sie 2018 abgegeben hat. In dieser Zeit veröffentlichte er hier rund 2.500 Artikel.