Review: OTTTD – Und wer macht das dann hier wieder sauber?

Hääää? Wie heißt das Spiel? Ohtetewas? Also: Die Abkürzung OTTTD steht für Over The Top Tower Defense, sprich für ein durchgeknalltes Tower Defense Spiel. Und lasst euch eins vorweg gesagt sein: Die Entwickler SMG haben das Ziel erreicht. Seit Fieldrunners 2, Pflanzen vs. Zombies oder Kingdom Rush: Frontiers hängt in diesem Genre die Messlatte aber hoch – reicht Verrücktheit aus, um auch längerfristig zu begeistern?

Zum Tower Defense Prinzip muss man sicher nicht mehr viel sagen: Ziel ist das Beschützen eures Stützpunktes vor mehreren Gegnerwellen. Hilfreich sind dabei die fest installierbaren Türme, die automatisch auf Gegner feuern, sobald diese in ihre Reichweite kommen. OTTTD bedient sich dazu noch zweier jüngerer Konzepte: Es gibt hier noch Helden, die eine Art mobile Türme darstellen. Außerdem greifen die Gegner in manchem Level statt auf festgelegten Routen auch mal frei aus allen Richtungen an.

Das Spiel bietet 20 Level in zwei Umgebungen: Einmal unter Wasser, hier kommen verschiedene Fische mit aufmontierten Geschützen angeschwommen und es gibt Steine und Wasserpflanzen – aber nicht wirklich Wasser, denn unsere Helden laufen ganz normal herum. Ganz anders sieht die Welt auf dem Friedhof aus, wo man (natürlich) auf Skelette, Monster und Zombies trifft, die sich zwischen Grabsteinen und knorrigen Bäumen daher schleppen.

OTTTD ReviewWirklich verrückt an OTTTD sind die Gegner und wie man sie regelrecht zerlegen kann. Im Wasser trifft man auf fliegende Riesen-Krebse mit einem Propeller, Fische mit einem Maschinengewehr auf dem Kopf, fliegende Mega-Haie und krabbelnde Krabben mit einer Schrottflinte. Ähh, okay. Auf dem Friedhof gibt es Zombies, grüne Schleimmonster, Skelette oder fliegende Augenbälle. Schießt man sie auf, zerplatzen sie in viele Einzelteile, die auf dem Boden verstreut liegen bleiben…

Die Türme dagegen sind recht normal. Man hat vier verschiedene Grund-Typen, die man noch einmal kräftig verbessern kann. Es gibt Türme zum Verlangsamen der Gegner, Maschinengewehre, Laser, Elektroschocker oder eine Luftabwehr. Über ein einfaches Menü kann man sie direkt im Spiel mit dem verdienten Geld abgeschossener Gegner aufwerten.

Neben den Türmen kann man pro Level drei der neun Helden mit in die Schlacht nehmen. Die sind recht unterschiedlich und reichen von einem Reparatur-Dude, über einen Scharfschützen oder einen Arnold-Schwarzenegger-ähnlichen Gunner. Jeder kann mit einer Waffe ausgerüstet werden und hat zwei Spezialfähigkeiten, die man auch ausbauen kann. So kann man Türme reparieren, mit einem Schutzschild versehen, schnell mit einem Jetpack fliegen oder Gegner vereisen…

otttd_review3Schon bei der Auswahl muss man strategisch klug vorgehen, hat aber Möglichkeit zum Experimentieren. Das Probieren setzt meist eine leidvolle Zeit des Scheiterns nach rund 10 Minuten voraus, so lange dauert nämlich mindestens ein Level, teilweise sogar bis zu 25 Minuten. Leider gibt es keine Möglichkeit das Gameplay zu beschleunigen wie bei vielen Kollegen. Das wäre sinnvoll, denn irgendwann hat man alle Türme gebaut und muss diese nur noch aufleveln und kommandiert seine Helden herum.

Der Einstieg ins Spiel macht Spaß, die ersten Spielwelten dienen einem ausführlichen Tutorial, in denen man neue Helden und Türme bekommt. Mit bis zu drei Sternen pro abgeschlossenem Level schaltet man neue Spielwelten frei. Doch so ab Level 10 zieht der Schwierigkeitsgrad richtig an – ab hier ist Grinden angesagt, sprich man muss ältere Level noch einmal spielen, um für die Helden neue Skill-Punkte und Geld für neue Waffen zu verdienen und sie hochzuleveln.

Hier wieder etwas Gameplay von mir, ein Level der Unterwasser-Welt…

Hier kommen die InAppKäufe ins Spiel. Eigentlich recht unbemerkt, kann man sie erwerben, wird aber an keiner Stelle dazu aufgefordert. Doch ab der Mitte des Spiels legen die Entwickler schon durch das Balancing nahe bessere Waffen und Fähigkeiten haben zu wollen. Und das geht natürlich am schnellsten mit dem Nachkauf von Spielwährung. Oder man grindet halt gern…

Grafisch ist das Spiel solide 3D Kost mit schönen Umgebungen und verrückten Gegnern und Helden. Man kann auf das Spielfeld heranzoomen, was man aber eher selten macht. Viel mehr vermisst habe ich das Drehen der 3D-Welt und das Herauszoomen, denn schnell wurde es unübersichtlich. Das liegt daran, dass man wie gesagt die Gegner regelrecht in Einzelteile zerlegt – diese bleiben liegen und hinterlassen so ein wahres Schlachtfeld aus Blut und Knochen. Eine schöne Idee, aber ziemlich unpraktisch, wenn man darin nicht mal mehr seine Türme sieht. Wirklich Over the Top. Schaut man genau hin, gibt es dämliche Fehler: Selbst wenn man einen Augenball zerschießt, liegen danach Firschreste rum – hier haben die Entwickler nur eine Animation für alle Welten erstellt. Die Musik bewegt sich ebenfalls im guten Mittelfeld und blubbert angenehm dahin, ohne wirklich zu nerven oder zu pushen. In den Optionen kann man die Musik stufenlos einstellen.

Das TowerDefense Spiel OTTTD ist wirklich ziemlich verrückt anzusehen, unter der Gameplay-Haube bleibt es aber recht gewöhnlich. Schöne Gegner und deren (leider viel zu seltene) freie Wegwahl machen schon Laune. Aber im Balancing zieht das Spiel den Schwierigkeitsgrad ab Level 10 stark an, so dass man fast meint, der Entwickler legt dem Spieler hier die eigentlich eher versteckten InAppKäufe nahe. Das man sich schnell etwas hilflos fühlt, liegt vor allem an der Unübersichtlichkeit, wenn die ersten Gegner erledigt sind. Auch werden die langen Level durch die fehlende Beschleunigungsoption nicht gerade spannender. So reiht sich das Tower Defense Spiel in die zahllose Reihe im AppStore ein, ohne dauerhaft hervorzutreten. Es fehlt das gewisse Etwas um so richtig zu fesseln, um so richtig zu unterhalten. Damit ist das Spiel zwar eine Empfehlung für regnerische Tage, aber nur für Spieler, die auch mal Rückschläge einstecken können und wollen.

OTTTD: Over The Top Tower Defense
OTTTD: Over The Top Tower Defense
Entwickler: SMG Studio
Preis: 5,49 €+
+ verrücktes Setting
+ 2 verschiedene Umgebungen
+ teilweise freie Angriffsrouten
+ viele Türme
+ 9 anpassbare Helden
+ guter Soundtrack / Effekte
+ leichte Bedienung
+ drei Speicherplätze
+ schön überspitzter Humor
+ guter Soundtrack
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– englisch
– nur eine Spielgeschwindigkeit
– schlecht balanciert
– teilweise sehr unübersichtlich
– keine iCloud Savegames

Über Tobi

Tobi gründete die AppGemeinde 2010 und führte sie sieben Jahre lang fast im Alleingang mit Liebe zum Zocken fort - bevor er sie 2018 abgegeben hat. In dieser Zeit veröffentlichte er hier rund 2.500 Artikel.