Valiant Hearts iOS Review

Review: Valiant Hearts – Krieg spielen mal ganz anders…

„O valiant hearts who to your glory came, through dust of conflict and through battle flame, tranquil you lie, your knightly virtue proved, your memory hallowed in the land you loved.“ beginnt das gleichnamige Lied von  Sir John Stanhope Arkwright. Mit seinen vier Episoden erzählt Valiant Hearts: The Great War von Ubisoft die Schicksale von fünf Menschen aus den Kriegstagen 1915 an der deutsch-französischen Grenze, die sich an vielen Stellen kreuzen. Der Entwickler verspricht ein bewegendes Spiel, doch kann er sein Versprechen halten?

Während der ersten Episode lernt man alle Charaktere kennen: Karl und Marie sind junge Eltern, die durch den Krieg getrennt werden, denn Karl ist Deutscher und muss zurück in seine alte Heimat zum Wehrdienst. Auch Maries Vater Emile wird eingezogen und steht damit seinem Schwiegersohn gegenüber. An der Front lernt er einen Amerikaner kennen und wird von einem Hund begleitet. Dann ist da noch Anna, eine junge Tierärztin, die sich auf die Suche nach ihrem Vater macht und nebenbei Verwundete versorgt. Insgesamt bieten diese Schicksale einen tollen Nährboden für die Geschichte, deren Stränge von Ubisoft interessant verflochten werden.

Spiel und/oder Bildung?

Nebenbei findet man immer wieder kleine Gegenstände, mit denen die echte Geschichte des 1. Weltkrieges erzählt wird. Immer nur in wenigen Sätzen und mit einem Originalbild – und genau das wirkt sehr gut. Erst dieses Feature hebt das Spiel auf eine andere Ebene. Hier wird man permanent erinnert, wie sinnlos Krieg und wer der eigentliche Verlierer ist. Interessant sind aber auch die Fortschritte, die es durch den Krieg gab. Hier wurde gut recherchiert, das Spiel sollte in jedem Geschichtsunterricht zum Einsatz kommen!

Valiant Hearts RätselGrößtenteils löst man mit den Charakteren kleine Rätsel, die meist recht schnell zu durchschauen und zu lösen sind. Wer öfter ein Adventure spielt, ist hier völlig unterfordert. Das Spiel rettet hier nur die interessante Story und die schön präsentierten Geschichtsfakten, für die man gerne weiterspielte. Daneben gibt es kleine Minispiele: So muss man mit einem Wagen Hindernissen ausweichen, weicht Bomben auf dem Weg in die Deckung aus oder verarztet mit kleinen Quick Time Events Verwundete mit Anna.

Kommt man in einem Level nicht weiter, zeigt das Spiel (auf Wunsch) nach einiger Zeit immer neue Hinweise zur Lösung des Problems an – ein nerviges Festhängen ist also unmöglich. Als weitere Hilfsmöglichkeit werden für Anfänger wichtige Gegenstände hervorgehoben, im Veteranen-Modus kann man selbst suchen. Adventure-Zocker sollten von Anfang an den Veteranen-Modus aktivieren.

Wie ist die iOS Umsetzung gelungen?

Die Touch-Steuerung mit Gesten ist eindeutig zu hakelig und wird euch an Stellen mit Zeitdruck zur Weißglut bringen. Warum hier als Alternative kein virtuelles Gamepad angeboten wird, ist nicht nachvollziehbar. Immerhin: Wer einen iOS Controller besitzt, steuert genauso komfortabel wie auf Konsole oder PC. Etwas nervig sind die Speicherstände, wenn man das Spiel verlässt. Beendet man die App für einige Zeit, wird sie beim Zurückkehren komplett neu gestartet und man muss den Abschnitt des aktuellen Kapitels von vorn beginnen. Ganz anders, wenn man stirbt – dann wird man bequem zu einem der engmaschigen Savepoints im Level zurückgesetzt.

Derzeit hat das Spiel noch mit einigen Bugs zu kämpfen, vor allem in der zweiten Episode. So lies die Taube gleich zu Beginn einen benötigten Schlüssel fallen, den man aber einfach nicht aufnehmen konnte. Noch schlimmer nerven da ähnliche Bugs, die mitten im Abschnitt auftreten – wodurch man in dann noch einmal von vorn beginnen muss.

Zur Preis-Strategie: Das Spiel kostet derzeit 4,49€ und beinhaltet die erste von vier Episoden, weitere Episoden kann man einzeln oder als Paket dazukaufen, was noch einmal rund 8€ macht (aktuell gibt es ein Angebot für 5,99€). Damit ist es im Endeffekt billiger als bei Steam oder für die Konsole. Davon abgesehen ist es ein Premium-Spiel ohne InAppKäufe oder Werbung.

Valiant Hearts CharaktereVor allem das handgezeichnete Artwork ist eine der wichtigsten Zutaten bei Valiant Hearts und nur selten wurde ein aktuelles Spiel optisch so grandios für iOS portiert: Es gibt knackig scharfe Retina-Grafik, schöne Animationen und es läuft flüssig. Mit der Grafik wird es fast zu einem interaktiven Comic, immer wieder präsentiert es sich mit ungewöhnlichen Perspektiven oder Bild-Einschüben. Hier merkt man, das Ubisoft richtig Geld in die Hand genommen und viel Zeit investiert hat. Auch die Klangkulisse ist aufwendig produziert. So gibt es tolle deutsche Erzählerstimmen, erschreckend atmosphärische Kriegsgeräusche und Hintergrundmusik, die mit den Gefühlen spielt und die man sich am liebsten als Soundtrack kaufen möchte – kann man sogar, nämlich hier. Kopfhörer sind daher Pflicht!

Valiant Hearts: The Great War punktet mit einer seltenen Mischung aus großartiger Atmosphäre, kleinen Rätseln, dem Erzählen einer tollen Geschichte und der Vermittlung von interessantem Wissen über den ersten Weltkrieg. Wie nebenbei bekommt man eindrucksvoll Hintergründe und Details zu den Auseinandersetzungen jener Tage vermittelt, wobei die Fakten kurz und bündig und mit Bildern nachzulesen sind. Die Grafik ist das eigentliche Schmankerl am Spiel, die zu findenden Bonusgegenstände bieten einen (kleinen) Wiederspielwert. Für den Gesamtpreis von rund 12€ für alle Episoden lohnt es sich und ist dabei sogar noch billiger als auf anderen Plattformen. Die eigentlichen Rätsel sind meist wenig anspruchsvoll, werten das Spiel im Gesamten aber trotzdem auf. Nur die kleinen Bugs und die Touch-Steuerung sollten dringend überarbeitet werden – wer einen iOS Controller besitzt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Unterm Strich ein wichtiges und spielenswertes Graphic Novel Spiel, das die Sinnlosigkeit des Krieg gut abbildet und das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann! Es ist wirklich bewegend.

Valiant Hearts: The Great War
Valiant Hearts: The Great War
Entwickler: Ubisoft
Preis: Kostenlos+
+ wundervolles Artwork
+ angenehme Wissensvermittlung
+ läuft flüssig
+ lange Spielzeit
+ gute Atmosphäre
+ schöne Geschichte
+ Minispiele
+ perfekter iOS Controller Support
+ Hilfssystem
+ keine InAppKäufe (nur Episoden)
+ kinoreifer Soundtrack
+ professionelle deutsche Sprecher
+ komplett deutsch
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– Touch-Steuerung mit Gesten manchmal schwierig
– nach Beenden der App Abschnitt von vorn
– dumme KI
– kleine Bugs
– keine iCloud Savegames

Über Tobi

Tobi gründete die AppGemeinde 2010 und führte sie sieben Jahre lang fast im Alleingang mit Liebe zum Zocken fort - bevor er sie 2018 abgegeben hat. In dieser Zeit veröffentlichte er hier rund 2.500 Artikel.