Meinung: Appzocke?! Oder vom Werteverfall der digitalen Kunst

Bewertungen
Typisches Mimimi über „Abzocke“

Es musste ja so kommen. Man konnte regelrecht die Uhr danach stellen. Als vorgestern die Erweiterung zu Monument Valley erschien, gab es einen kleinen Shitstorm in den App Store Bewertungen, dass die Entwickler doch tatsächlich 1,79€ dafür verlangen! Das ist natürlich ein riesen Skandal! Frechheit! Abzocke! Diese Ausrufe kennt jeder, der regelmäßig App Store Bewertungen zu Spielen liest, die im Episodenformat erscheinen. Man findet sie in den Interactive Movies von Telltale, bei Adventures im Episodenformat oder auch, wenn ein Spiel nachträglich Levelpacks spendiert bekommt. Wie jetzt eben Monument Valley.

An dieser Stelle sei nochmal auf die letzte Studie von Developer Economics verwiesen: Dort wurden mehr als 10.000 Entwickler befragt und rund 50% verdienten weniger als 500 US-Dollar im Monat auf dem iOS-System. Bei Android sind es gar nur 370 US-Dollar.

Seitdem sich die Informationsgesellschaft durchgesetzt hat, ist die Wertschätzung für digitale Kunst massiv abgeflaut. Das fing schon vor 10 Jahren an, als die Menschen weniger Musik, Bücher, Filme und Spiele kauften und sie statt dessen in illegalen Tauschbörsen herunterzuladen. Wer sich in den letzten Jahren mit Kreativschaffenden unterhalten hat, bekommt einen Eindruck davon. Und auch wer Google bedienen kann, wird fündig. Da gibt es Studien über Schauspieler, deren Einkünfte unter dem Existenzminimum liegen oder Nachrichten wie wenig ein Musiker auf Spotify verdient.

Die Frage, die sich uns im 21. Jahrhundert also stellt: Was ist uns Kunst und wertschöpferische Arbeit wert? Umgemünzt auf das Thema dieses Blogs möchte ich provozierend fragen: Warum kauft man sich 600€+ teure Geräte (hergestellt in Indien, Vietnam und China bei Foxconn & Co.) und dann ist man nicht bereit 2€ für ein gutes Spiel oder mehr Content zu bezahlen?

Fast jeder den ich kenne, regt sich über das Freemium- und Pay-to-Win-Modell auf. Aber ist diese Entwicklung nicht logisch, wenn für Software und Spiele der alten ‚Art ‚immer weniger Geld mehr ausgegeben wird? Immerhin kostet so eine App in der Herstellung sehr viel Geld und Zeit. Da sind nicht nur die 99$ pro Jahr für einen iOS Entwickler-Account, da sind nicht nur viele Sachbücher zum Thema App-Programmierung, die man wälzen muss, um überhaupt erst mal loslegen zu können, sondern da wären vor allem viele Arbeitsstunden vieler Leute, die in ein Projekt eingehen. Von dem kreativen Wert, die ein Spiel wie Monument Valley hat, ganz zu schweigen. Der ist sowieso unbezahlbar.

Wer sich über Freemium und Pay-to-Win aufregt, sollte sich fragen, ob er nicht genau zu dieser Entwicklung beiträgt. Wenn ein gut gemachtes Spiel für, sagen wir mal 8,99€ oder mehr, nicht mehr gekauft wird, dann erscheinen eben nur noch Spiele, die so aussehen und sich auch so spielen, als würden sie nichts kosten. Vergleicht an dieser Stelle mal ein aufwendiges, spielerisch anspruchsvolles und werbefreies 3D-Minigolf-Spiel wie Astro Golf für äußerst faire 3,59€ mit dem zuletzt erschienen Golfinity von NimbleBit, welches kostenlos erscheint und durch Werbung finanziert wird. Ein Spiel, welches weder grafisch, kreativ noch spielerisch anknüpfen kann.

Wie dem auch sei: Mich würde mal von euch interessieren, mit welcher Begründung solche „Abzocke“-Postings im Store bei fairen und transparenten In-App-Käufen zustande kommen. Vielleicht weiß da jemand von Euch eine Antwort drauf?

Über Axel

Reviews und Artikel von einem Vollblutgamer für Vollblutgamer. Manchmal hemmungslos subjektiv, immer mit einem leichten Augenzwinkern und vor allem ehrlich. Das erwartet Euch in meinen Artikeln hier in der AppGemeinde. Seit 1991 bin ich leidenschaftlicher Gamer, Nintendo- und Retro-Nerd sowie großer Fan von Rollenspielen, Adventures, Puzzlespielen und alles was irgendwie kreativ mit dem digitalen Medium umgeht. Game Center ID: "Axel | Appgemeinde.de" (ohne die ")