Review: Grim Fandango Remastered – Willkommen im Totenreich!


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Während sich still und heimlich Monkey Island 1 & 2 aus dem AppStore geschlichen haben (noch schnell sichern!), gibt es endlich einen neu aufgelegten LucasArts Adventure Klassiker im AppStore: Grim Fandango Remastered aus dem Jahre 1998 ist wieder da und wurde in diesem Fall von Double Fine mit Tim Schafer für iOS portiert… Willkommen im Totenreich!

Die Geschichte des klassischen Adventures dreht sich um Manuel Calavera, kurz Manny – einen Toten, der im Department of Death seine Schulden als Reiseberater abarbeiten muss. Hier berät er Neulinge auf ihrer Reise ins ‚Reich der ewigen Ruhe‘, die 4 Jahre dauert. Je nachdem, wie viel Geld man mit ins Grab genommen hat, kann man die Reise per Auto, Schiff oder ganz rustikal mit dem Wanderstock antreten. Im Idealfall hat man Anrecht auf ein Ticket mit dem Express Nummer 9, der für die Reise nur 4 Minuten braucht!

Grim Fandango Remastered iOSOhne hier viel für Neulinge zu spoilern: Bald schon kommt Bewegung in die Geschichte, als Manny der hübschen Meche begegnet, die auf Grund ihres Vermögens eigentlich ziemlich schnell reisen sollte. Doch tut sie nicht. Irgendwas ist komisch. Als er Korruption bei DOD aufdeckt, wird er kurzerhand rausgeworfen. Er schließt sich daraufhin mit seinem Dämon der Untergrundbewegung an und macht sich auf die Suche nach Meche, die inzwischen zu Fuß unterwegs ist…

Große Stärke des Spiels ist der berühmte LucasArts-Humor, der prägend für viele Spiele dieser Art war und bis heute noch ist. Es gibt ein herrliches Setting, wundervoll abgedrehte Charaktere und gut gezeichnete außergewöhnliche Schauplätze. Alles im Stile des mexikanischen Dia de los Muertos Feiertages für die Toten.

Der Humor kommt auch in der sehr guten deutschen Lokalisierung heraus, die mit deutschen Untertiteln und Sprachausgabe daherkommt. Das kostet natürlich Platz und so macht sich Grim Fandango mit 3,3 GB auf dem iGerät breit. Kleiner Trost: Selbst das Original kam auf 2 CDs – auch damals haben viele Spieler darüber gestöhnt.

Die Portierung ist gut auf die iGeräte gelungen. Gesteuert wird hier mit einem einfachen Touch an die Stelle in der 3D-Szene, worauf sich Manny in Bewegung setzt. Ein Doppeltap lässt ihn losrennen. Es gibt wieder das übliche Interaktions-Menü mit an Ort und Stelle erscheinenden Buttons für Nehmen, Ansehen, Benutzen oder Reden.

Grim Fandango Inventar
Das neue Inventar ist nicht so übersichtlich…

Statt eines klassischen Inventars sieht man Manny Jacket, woraus er auf Knopfdruck immer einen neuen Gegenstand aus seinem Inventar zaubert. Nette Idee, aber hier geht für mich die Übersicht verloren, gerade wenn man zwei Items miteinander kombinieren will. Hilfen gibt das Spiel nicht wirklich, nicht einmal die Hot-Spots einer Szene kann man sich anzeigen lassen. Dafür kann man mit dem Finger alles abfahren und interaktive Orte werden zumindest dann hervorgehoben. Wer bei den fordernden, aber guten Rätseln wirklich Hilfe braucht, findet im Netz tonnenweise Komplett-Lösungen.

Selbst für Liebhaber des Originalspiels gibt es einen Mehrwert: Die großartigen Entwickler-Kommentare lassen sogar Kenner des Adventures noch Neuigkeiten und Hintergründe entdecken. Hier erzählen die Entwickler an bestimmten Punkten wie diese Stelle entstanden ist oder was es für Überlegungen und Probleme gab. Ich würde es auch Neulingen empfehlen, die Kommentare von Anfang an zu aktivieren und so noch etwas mehr ins Spiel einzutauchen. Die sind zwar englisch, aber mit deutschen Untertiteln versehen.

Grim Fandango Remastered Vergleich

Grafisch wurde alles liebevoll und eher im Detail überarbeitet – wie viel, kann man sehen, wenn man (jederzeit) zur Original-Grafik wechselt. Auffallend ist vor allem die Kantenglättung, die neue Beleuchtung der Szenen und bessere Texturen für die Charaktere. Auf einem iPad Air läuft das Spiel hervorragend. Echt erstaunlich, wie gut das Adventure auch heute noch aussieht – selbst mit Originalgrafik. Selten, dass ein 3D Spiel so gut altert. Dazu kommt, dass man keine hässlichen schwarzen Ränder oder ähnliches wie auf der PS Vita hat.

Ebenfalls neu: Der originale Soundtrack wurde noch einmal komplett neu mit einem echten Orchester im Studio aufgenommen. Das hört man und sollte daher auch Kopfhörer tragen, um das zu würdigen. Dazu schaltet man im Laufe des Spiels die originalen Konzept-Zeichnungen für die Szenen frei. Super interessant!

Die Reise durch das Totenreich bei Grim Fandango Remastered ist und bleibt ein unterhaltsames Adventure, dass man jedem Spieler empfehlen kann! Einmal den Kennern des Originals, weil sie nun auch unterwegs den Klassiker spielen können und dazu noch Entwickler-Kommentare, einen echten Orchester-Soundtrack bekommen und Konzept-Zeichnungen. Wer das Adventure noch nicht kennt, dem kann man nur zurufen: SPIELEN! Durch solche Spiele haben LucasArts ihren Ruf als grandiose Adventure-Schmiede gefestigt. Technisch läuft alles rund und das Spiel sieht immer noch toll aus. Dazu die verrückte Story und die gute deutsche Lokalisation, hier passt (fast) alles – nur iCloud-Savegames sind bei dieser Größe ein schmerzlich vermisstes Feature.

Grim Fandango Remastered
Grim Fandango Remastered
+ 3D Optik sieht immer noch gut aus
+ leichte OneTouch-Steuerung
+ langer Spielspaß
+ witzige Dialoge
+ tolle Rätsel
+ tolles Setting
+ Spiel speichern jederzeit möglich
+ 4 Speicherslots
+ grandioser neuer Orchester-Soundtrack
+ neue Optik/Originalgrafik umschaltbar
+ Entwickler-Kommentare
+ Konzept-Zeichnungen
+ deutsche Sprachausgabe
+ viele andere Sprachen an Bord
+ keine InAppKäufe
+ deutsche Texte
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– Inventar etwas unübersichtlich
– großer Platzbedarf (3,3 GB)
– keine iCloud Savegames

Über Tobi

Maximum Geekness. Alles fing mit dem Atari 2600 an, dann ein Atari 800XE mit Datasette, dann ein 486er mit 25Mhz und 80MB Festplatte. Und heute? Zocken! Am liebsten immer und überall. Und sonst? Alles mit Knöpfen, einem Display und bei dem man etwas einstellen kann ist interessant!
  • WellWell

    Also, wenn ich mir eure Pluspunkte für das Spiel anschaue und mit den Minuspunkten vergleiche, kommen mir die schon arg gestreckt und auf positiv getrimmt vor. „3D Optik super“ und „Tolles Setting“ – Arg subjektiv, „Viele andere Sprachen an Bord“ – ist vielleicht für einen Finnen toll, der kein Englisch spricht, „keine InAppKäufe“ – beim Remake eines alten Klassikers wohl klar. „4 Speicherslots“ – Reife Leistung, besser als 3. Vielliecht solltet ihr noch positiv bewerten, dass das Spiel in Farbe ist…..Bei mir überwiegt der negative Punkt mit dem großen Platzbedarf. 3.3GB sind sogar auf einem 64GB Ipad eine Hausnummer. Was für euch scheinbar keine negative Erwähnung wert ist: 9.99€ ?? Das ist aktuell sogar teurer als die PC Variante…

    • Hallo WellWell, danke für die kritischen Worte, immer willkommen!

      Ich will dir gern kurz erklären, warum ich was aufgenommen habe…

      – Keine InAppäufe: Es gibt leider durchaus ReMakes mit IAPs, wie vor kurzem das an sich gute Boulderdash
      – verschiedene Sprachen: schlecht für den Speicher – gut, wenn man das Spiel endlich mal im Original spielen möchte (auf meiner CD-ROM nur deutsch) oder Sprachen lernt
      – die 3D Optik super: ja und das noch nach Jahren, das ist wie erwähnt eine Seltenheit, bei Tomb Raider 1 zum Beispiel bekomme ich Augenkrebs, geht gar nicht mehr für mich
      – Tolles Setting – Klar ist das Review subjektiv, geht nicht anders. Ich finde das mexikanische Artwork rund um den Tag der Toten sehr schick, vor allem wenn man mal da war
      – 4 Speicherslots: find ich wichtig, dass es nicht nur unter ‚Fortfahren‘ den aktuellen Stand speichert, sondern man auch zurückspringen kann, wenn es mehrere Spieler in einem Haushalt spielen
      – der Speicherbedarf ist wirklich fies, das kann man aber dem eigentlichen Spiel nicht wirklich ankreiden, oder? Hier geht es ja drum, ob das Spiel was taugt. Ich schreib es aber trotzdem hin, dass es 3,3GB installiert hat, dann muss jeder selbst wissen, ob er so viel frei hat
      – Auf den Preis gehe ich bewusst nicht ein, denn wo setzt man ‚zu teuer‘ an? Wenn ich für 10€ an die 20+ Stunden gut unterhalten werden, ist es das ‚für mich‘ den Preis wert. Und Du weiß sicher, dass im AppStore die Preise auch recht unbeständig sind. Alternativ setzt Du dir bei AppZapp einen Preisalarm oder schaust bei Steam im Angebot (normalerweise aber identischer Preis!), dann kannst Du es aber eben nicht überall zocken.

      Reviews sind und bleiben immer subjektiv, auch hier. Und GF war schon damals mein Lieblings-Adventure. Ich habe mich gefreut, dass ich es wieder spielen kann (CD-ROM Version läuft nicht mehr) und dass es sogar noch überarbeitet wurde und Bonus-Material dazukam. Abgesehen von kleinen Mankos wie fehlendem iCloud Support und neuem Inventar gibt es nichts zu meckern.

      • WellWell

        Naja, ich finde schon, dass man in den Reviews auch auf den Preis eingehen. Geld ist ja bei mir doch auch eine knappe Ressource und da bietet mir z.b die aktuelle legend of grimrock Umsetzung für iOS ein besseres Preis – Leistungsverhältnis. Das spiegelt sich ja auch in der chartplatzierung ganz gut wieder. LoG ist knapp in den Top Ten, während die doubleFine Adventures GF und BrokenAge unter ferner liefen bleiben. Gut, ist Alles Geschmacksache. Die Pc Neuauflage von Grim Fandango hat ziemlich gemischte Bewertungen eingefahren und das hat mich schon auch beeinflusst. Überfliegt man dein Review nur, kann man bei 18 Plus- gegen 3 Minuspunkte schnell auf den Trichter kommen, dass man bei dem Kauf Nichts falsch machen kann, finde ich. Aber ich muss auch sagen, dass ich eure Seite insgesamt super finde, mich jeden Freitag auf die rausgesuchten Neuerscheinungen freue.

        • Ja, Du hast schon recht. Aber ich weiß halt nicht, was dann wirklich teuer ist. 9,99€ sind schon saftig, aber irgendwie noch angemessen. 17€ wie für Spiele von 2k sind dann nochmal ne andere Hausnummer. Auf den Preis hinweisen bringt aber auch nichts, da es vielleicht in 2 Wochen wieder anders aussieht und jeder den Preis eh im Auge hat….

          Übrigens: Schön, dass Du den Release-Artikel liest, da sitze ich wenigstens nicht umsonst 2-3h am Abend vorm Rechner. Macht mir aber auch selbst übelst Laune nach den Schätzen im Neuseeland-AppStore zu fischen 😀

    • Axel

      „Was für euch scheinbar keine negative Erwähnung wert ist: 9.99€?“

      Wer hier seit einigen Wochen mitliest, der wird sehen, dass in letzter Zeit eben wieder vermehrt echte Spiele in den App Store kommen. Ohne In-App-Abzocke. Und für ein gutes Spiel sind 10€ alle mal gut angelegtes Geld.

      Sollen wir hier, wie drüben bei Appgefahren, ständig für irgendwelche F2P-Abzockereien werben, weil man dafür bezahlt wird? Nö. Die AppGemeinde ist und bleibt unabhängig, was man besonders an meinen Texten wunderbar sehen kann. Ich stelle hier häufiger Spiele vor, die sonst keiner auf den Schirm hat. Einfach weil wir nix abarbeiten müssen, was irgendwelche PR-Firmen uns zuliefern, sondern wir die Spiele immer noch selber aussuchen.

      Da unser beider Zeit eher gering ist, konzentrieren wir uns lieber auf die guten Dinge. Wir könnten die Bewertung eigentlich auch gleich weglassen. 😉

      Die + und – Angaben sind eher eine grobe Übersicht, welche Features ein Spiel hat.