Umstieg von iOS zu Android… oder doch nicht? Ein Selbstversuch

Seit 5 Jahren nutze ich täglich ein iPhone, jetzt will ich auf Android umsteigen. Vom iPhone 6 auf ein Samsung Galaxy S7. Ob das was wird?

Apple wird mir mit seiner Produkt-Politik immer unsymphathischer, vielleicht liegt es auch an den hölzernen Keynotes mit dem „aufgedrehten“ Tim Cook, der den Charme eines eingemotteten Motorrads hat. Ausschlag für mein Experiment war aber ein ganz anderer – später mehr dazu.

Mein Anspruch an den Umstieg: Der Umstieg soll sich leicht anfühlen. Wenn ich nach einer Woche immer noch rumbastel, lasse ich es. Ich will schnell weitermachen wie bisher – möglichst mit allen wichtigen Apps wie bisher. Ich erwarte von Android in Version 6, dass sie nun mal ein stabiles und logisches OS hinbekommen haben. Ich will möglichst keinen Root-Zugriff machen und keine Cyanogen-ROM aufspielen. Zudem ist ein Wunsch, dass es problemlos läuft wie iOS und mein iPhone – wo ich in den vergangenen Jahren keine Abstürze oder Probleme hatte. Das Ding läuft einfach immer.

Noch etwas grundsätzliches: Meinem schicken iPad und iOS bleibe ich natürlich weiterhin treu – für die AppGemeinde und weil es doch viele Vorteile hat. Hier bekommt man das beste Spiel-Erlebnis, nach wie vor. iOS hat mehr Spiele, mehr Vollpreis-Spiele, bessere Spiele und idealer an die Hardware angepasst Spiele.

 

Warum von iOS zu Android?

Der ausschlaggebende Grund für einen Umstieg von iOS zu Android war weniger das Betriebssystem als die Hardware. Spätestens als das iPhone 7 ohne Kopfhörerbuchse kam und es den SAR-Strahlungswert auch noch einmal deutlich auf 1,38 W/kg verschlechterte, bekam ich perspektivisch Lust zum Wechseln. Nur als Vergleich: Mein aktuelles iPhone 6 strahlt immerhin mit 0,97 W/kg, während sich zum Beispiel das Samsung Galaxy S7 Edge bei 0,26 W/kg einpegelt. Die erlaubte Obergrenze ist übrigens 2,0W/kg, eine komplette Übersicht gibt es hier.

Dazu kam der Black Friday, an dem ich bei Amazons Warehouse ein Galaxy Note 4 für adrette 360€ mit Garantie gefunden hatte und Media Markt das Samsung Galaxy S7 für 399€ angeboten hat (leider nur in weiß), das es am Ende auch geworden ist. Neben weniger Strahlung und dem deutlich besseren Preis bekommt man auch noch nette Zusatz-Features wie erweiterbaren Speicher via SD-Karte, ein wasserdichtes Gehäuse trotz Kopfhörerbuchse (!) und eine ordentliche Display-Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel.

 

Tag 1

Ausgepackt und gestaunt: Mit dem Galaxy S7 hat man wirklich tolles und wertiges Smartphone in der Hand. Das große Display begeistert von Minute 1 an und das Gehäuse liegt für mich besser in der Hand als ein aktuelles iPhone. Android 6 läuft super flüssig und sieht aufgeräumt aus, der Shortcut für die Kamera ist schneller als bei iOS und der Fingerabdruck-Sensor reagiert genauso fix. Gegen das Samsung wirkt das iPhone altbacken und dick, bei der Hardware hat das S7 auf jeden Fall die Nase vorn, mein Kompliment. (Wobei man fairerweise erwähnen muss, dass Samsungs S7 vor einem halben Jahr, nämlich 03/2016 erschien, wobei es mein iPhone 6 bereits seit 09/2014 gibt. Das Gehäuse des aktuellen iPhone 7 ist aber baugleich mit dem 6er bzw. sogar etwas dicker.)

iphone6 galaxy s7

Nun auf zur Synchronisation. An dieser Stelle kommt es mir zu Gute, dass ich bisher Apples iCloud nie für Backups oder Fotos genutzt habe, was den Umstieg erleichtern sollte. Und hier wird mir auch wieder ein Grund bewusst, warum Apple-Geräte so teuer sind: Weil Apple nichts mit den Nutzerdaten verdient, sie nicht einmal selbst sehen kann. Google hingegen wertet vieles aus, das geht beim Standorts los und hört beim Scannen des Gmail-Accounts für personalisierte Werbung lange nicht auf. Wer Android nutzt, ist gläsern. Und daran muss ich mich als iOS’ler erst einmal gewöhnen. Aber vielleicht lässt es sich ja doch umgehen?


Die Datenschutz-Einstellungen
schaue ich mir aber noch an: Hier lassen sich viele Rechte einschränken, einiges muss man aber erst ziemlich fies freischalten unter jeweils „Systemapps anzeigen“ und das für viele Einträge. Hier wird es dem Nutzer nicht leicht gemacht, etwas nicht zu übertragen. Lieschen Müller lässt lieber alles wie es ist – zur Freude von Google. Zudem sollte man sich bei Google mit dem verbundenen Konto einloggen und dort alles deaktivieren, unter anderem auch das Speichern von Nutzerdaten oder personalisierter Werbung. Dann kann es ja losgehen.google datenschutz

Einfache Synchronisation? Samsung hat für den Wechsel die passende App / das passende Programm Smart Switch parat. Eigentlich kann man das iPhone direkt mit dem USB Kabel und dem mitgelieferten Adapter an das S7 anschließen, das sich dann die gewünschten Daten saugt. Allerdings hat mein iPhone 64GB und das S7 nur 32GB (ohne SD-Karte), also musste ich den Umweg über den Rechner gehen. Smart Switch hier noch einmal installiert und es überträgt die ausgewählten Daten dann aus einem iTunes-Backup aufs neue Smartphone. Dabei wird wirklich alles übertragen: Fotos, Kalender-Einträge, Alarme, Sprachnotizen, Lesezeichen und eine Liste von installierten Apps.

Samsung Smart SwitchUnd? Funktioniert die Synchronisierung? Naja, suboptimal. Die Kontakte sind alle da. Check. Die Bilder sind da. Check. Der Telefonverlauf ist da. Check. Die Nachrichten da, aber bei den meisten Konversationen fehlen die letzten Wochen – einfach weg. Bidümm. Oh Moment, nach 20 Minuten ist dann doch alles da. Check. Die gesamten Kalender-Einträge aus iOS wurden übertragen, allerdings alle Kalender in einen neuen lokalen Kalender geworfen. Bidümm. Hier wäre mir lieber gewesen, man hätte optional einfach den iOS Kalender eingebunden, in den man weiterhin live einträgt. Da muss ich wohl improvisieren…

Ich brauche einen Kalender. Meinen geliebten Fantastical gibts nur für iOS, ebenso den empfehlenswerten Moleskine Timepage. Da meine Daten eh schon auf Apples Server liegen, muss ich sie jetzt nicht noch mit Google synchronisieren – also mache ich mich auf die Suche nach einer guten Kalender-App und bin auf SolCalendar gestoßen. Komisch fühlt es sich aber schon an, eine kostenlose App für private Dinge zu verwenden. Und fast alle Kalender bei Android sind kostenlos. Und sehen grottig aus. Womit verdienen die Entwickler dann eigentlich ihr Geld? Also nehme ich doch lieber den vorinstallierten Samsung-Kalender, der brauchbar und übersichtlich ist. Einziges Manko für mich is ein fehlendes Dunkel-Theme – ich hasse weiße Kalender.

 

Tag 2

Jetzt geht es ans Eingemachte, ich wechsle die Nano-SIM. Alles erkannt, auch mobiles Netz läuft. Die Telefonate sind von der Audio-Qualität mindestens genauso gut wie beim iPhone. Auch das Annehmen und Auflegen funktioniert ohne große Umgewöhnung – auch wenn der Lautsprecher etwas blechern klingt.

So langsam wird mir richtig klar, wie verzahnt sich Google in sein kostenloses Betriebssystem vergraben hat. Im Prinzip geht nichts, ohne das Google etwas davon mitbekommt. Natürlich kann man den Kontakten die Rechte entziehen mit Google zu kommunizieren, aber dann gehen halt die Kontakte nicht mehr. Ja, man hat die Wahl.

Das Telefon im Auto. Hier nutze ich bisher Apples Sprachassistentin Siri, um nach einem Druck auf den Homebutton meinen Navi-Wunsch zu nennen, eine SMS zu schreiben oder einen Termin einzutragen. Während ich es eher befremdlich finde mit meinem Telefon zu reden, hat es hier für mich echt Sinn. Nun gibt es auf dem S7 Samsungs S-Voice, mit dem man immerhin nach langem Homebutton-Druck einen Kontakt-Namen sagen kann, der dann angerufen wird. Zumindest, wenn man nicht mehrere Nummern unter einem Kontakt abspeichert. Dann wird nämlich nur eine piepslige Liste mit den Nummern angezeigt, die man während der Autofahrt nur schlecht bedienen kann. Bidümm.

Meine alten Apps will ich natürlich auch wieder. Die Spiele will ich in den Wind schreiben: Zwar gibt es viele Titel auch im PlayStore, doch hierfür möchte ich nicht noch einmal Geld ausgeben. Die spiele ich weiterhin auf dem iPad. Musik-Apps kann man für Android vergessen – wer in dieser Richtung Ambitionen hat, kommt um iOS nicht herum. Immerhin habe ich mein Stimmgerät gefunden. Wichtiger für mich sind schon eher die produktiven Apps, die ich täglich nutze. Rund die Hälfte gibt es hier, erstaunlicherweise meist kostenlos.

Feedly, Bring! und eBay Kleinanzeigen lade ich mir genauso ohne Probleme wie Snapseed, Dropbox, Twitter, Facebook, Skype, WhatsApp – war ja aber auch irgendwie klar. Auch die Steuer-App für die Avea-Lampen gibt es. Ein typisches Beispiel für viele Android-Apps ist das von mir täglich genutzte 1 Second Everyday, die im AppStore aktuell 5€ kostet. Im PlayStore ist sie kostenlos. Hmm? Wie das? Die Überraschung kommt nach der Installation: 1SE will Zugriff auf Mikrofon, Kontakte, Kamera, Kalender, Smartphone, SMS und Körpersensoren. Nein, mein Sohn, das darfst Du nicht. Ich habe ja die Wahl. Gut, denkt sich die App, dann zeige ich dir eben nur einen schwarzen Bildschirm. Das nenne ich doch mal Datenschutz. Der Vollständigkeit halber: Unter iOS darf sie lediglich auf Fotos zugreifen, alles andere ist deaktiviert. Und dies scheint mir unter Android systematisch.

Hier geht’s weiter…

 

Tag 4

So langsam gewöhne ich mich an das dünne Handy, das selbst in einer Hülle (hier für nen 10er) noch dünn ist. (Ohne Hülle einen Ticken schwerer und dicker als das iPhone 6) Auch das Display kann man zu Recht lieben. In Punkto Schwupdizität bin ich immer noch beeindruckt, alles startet ohne Verzögerung. Google scheint mit Android 6 viele Dinge ins Reine bekommen zu haben, solche Sachen wie manuell Arbeitsspeicher freischaufeln oder schauen, ob noch irgendwelche Apps im Hintergrund das System bremsen, musste ich bisher nie.

Hier eine kleine Übersicht, was mir nach ein paar Tagen am S7 gefällt und was ich vom iPhone vermisse…

👍 starker Akku (derzeit zwei volle Tage bei normaler Nutzung ohne Energiesparmodus)
👍 superschnelle Ladezeiten (komplett in 1:20h)
👍 geile Kamera (mit 4K Videos, Zeitlupe, RAW, Panorama, Timelapse, Pipapo)
👍 SD-Karte für Musik, Videos (sogar verschlüsselbar)
👍 komplett wasserdicht und Kopfhörerbuchse
👍 Kamera-Schnellstart mit Doppelklick auf Homebutton
👍 LED auf Front anpassbar (zum Beispiel grün bei WhatsApp, blau bei E-Mail)
👍 Alway-On-Display zeigt permanent Uhrzeit, Datum, Akku und Nachrichten-Eingang
👍 gute Tastatur von Samsung mit integriertem Swype und sichtbarer Zahlenreihe
👍 konfigurierbare Schnellzugriff-Zentrale vom oberen Bildschirm herab
👍 TouchWizard-Oberfläche wie bei iOS mit allen Apps auf den Screens statt in Menüs
👍 Im PlayStore kann man auch via PayPal bezahlen
👍 Lautstärketasten und Ein/Aus an selber Position wie beim iPhone
👍 Physikalischer Home-Button
👍 Gehäuse nicht größer als iPhone 6S, aber mehr Display

😞 Datenschutz katastrophal, unkontrolliertes Hochladen von Daten zu Google?
😞 keine Siri ähnlichen Möglichkeiten
😞 kein natives Einbinden von Apple Kalendern möglich (nur über eigenständige Apps)
😞 Google Maps als Navi-Alternative mit genervter / schlechter(er) Stimmausgabe
😞 grausames App-Angebot mit viel Schund und katastrophalen Zugriffsrechten
😞 die beiden Softtouch-Tasten nerven (Fehleingaben)
😞 Lautsprecher des S7 schlechter als beim iPhone
😞 Akku nicht austauschbar (ja, ich weiß, beim iPhone auch nicht, trotzdem schade)

Doch während die Hardware begeistert, merke ich deutlich, dass ich mich noch nicht so recht an Googles Datenhunger gewöhnen will. Und im Prinzip hat man unter Android eigentlich keine Chance.

android nutzungsdatenIm Gegensatz zu iOS hat man unter Android ja viel mehr Einstellungsmöglichkeiten – doch leider sind diese nicht so schön gebündelt, sondern entweder stark verzweigt, recht versteckt oder nur in den jeweiligen Apps zu finden. So fällt es mir schwer wirklich herauszufinden, was mein Handy nun wirklich an Google sendet. Was sicher Absicht ist. Und eins ist klar: Wenn die zwei PlayStore-Dienste keinen Zugriff auf alles (!) haben (inklusive Körpersensoren, SMS, GPS, Kamera, Mikrofon, etc) lassen sich manche Apps nicht einmal starten. Geschweige denn der PlayStore selbst. Grummel.

Immerhin: Ein Blick auf der Google-Seite meines Profils zeigt wirklich noch keine hinterlegten Daten, keine Kalender-Einträge oder Suchverläufe. Ob es wirklich möglich ist?

Noch einmal zu meinen alten Apps. Währenddessen habe ich einiges gefunden, aber mehr schlecht als recht. Hier mal eine kleine Übersicht zum derzeitigen Stand:

App bisher iOS Android
Threema 2,99€ 2,99€
1 Second Everyday 4,99€ kostenlos
Bring! kostenlos kostenlos
Medien-App integriert VLC, kostenlos
Timepage / Fantastical 2 4,99€ / 2,99€ – (SmoothSync, 2,99€)
Navigation Apple Maps, integriert Google Maps, integriert
PhotoSync 2,99€ kostenlos
Scanner Pro 4,99€ – (TinyScanner, kostenlos)
Snapseed kostenlos kostenlos
Tayasui Sketches Pro 4,99€ – (Autodesk SketchBook 5,49€)
Feedly kostenlos kostenlos
Pocket kostenlos kostenlos

 

Zum Thema Kalender kann ich noch einen kleinen Erfolg vermelden: Mit der App SmoothSync for Cloud Calendar für 2,99€ kann man ins Android-OS eine Schnittstelle zu Apples iCal integrieren. App installieren, iCloud-Login eingeben (wenn auch mit Bauchschmerzen) und dann die Kalender auswählen. Es werden alle Kalender und dies sogar mit Farben synchronisiert. Die App bietet zudem vielfältige Einstellungen zur Häufigkeit des Sync’s etc. Dann sind die Kalender in allen Apps verfügbar, ich habe mich mit dem Samsung-Kalender angefreundet. Funzt also. Check.

Also die meisten Sachen lassen sich mit etwas Suchen wieder beschaffen oder ersetzen – Musik-Apps wie gesagt ausgenommen. Trotzdem sieht es auf dem S7 bei mir leer aus – was fehlt sind die Spiele. Doch ich mag nicht zwei mal bezahlen, also spiele ich schön brav zu Hause auf dem iPad und nutze meinen Androiden unterwegs eben etwas ernsthafter. Hier merkt man dann wieder, wie man sich an Apples Universal-Apps gewöhnt. Eine App abends gekauft und auf dem iPad angespielt, dann früh schnell aufs Handy und im Idealfall dank iCloud Synchro über den Tag dort weiterspielen, wo man aufgehört hatte.

Tag 5

Zum Nachdenken regten mich die Reaktionen meiner Bekannten an, denen ich sagte, dass ich wechsle und derzeit nicht via iMessage erreichbar bin. Hier bekam ich drei mal spontan „Verräter“ an den Kopf geworfen. Sicher, es war scherzhaft gemeint – dennoch verdeutlicht dies ziemlich viel über die schlaue Strategie von Apple, die aufgeht. Apple geht es darum, mit einem nicht unbedingt außergewöhnlichen Produkt über Preis und Präsentation ein überlegenes Wir-Gefühl zu schaffen. Niemand schafft dies so perfekt wie Apple, wie einst Steve Jobs. Ich schaue mir immer noch gerne wieder mal die erste iPhone Keynote an – einfach nur gut. Tim Cooks lebt heute noch von diesem Glanz, er selbst hätte dies nie rüberbringen können.

Und auch ich muss gestehen, dass ich mich bei diesem Gedankengang erwischt habe. Diese Woche standen zwei dämliche Jugendliche vor mir an der Kasse und spielten an ihrem Android-Handy. Da habe ich mich doch tatsächlich dabei erwischt, wie ich dachte: „Uff, jetzt hast Du auch Android wie die.“ Mit einem iPhone in der Tasche hätte man hier vielleicht das Gefühl „Ja Jungs, so was könnt ihr euch wieder nicht leisten.“ Oder: „Ihr versteht nicht, wie gut das ist.“ Ihr wisst, was ich meine?

Objektiv betrachtet schreibe ich hier über zwei Funktelefone, die sich recht gleich sind und nur verschiedene Betriebssysteme haben. Telefone von zwei der weltgrößten Firmen, die versuchen den Nutzer langfristig an ihr Ökosystem zu binden, um damit noch reicher zu werden. Bevor hier wieder der alte iOS-Android-Krieg ausbricht: Es geht hier nicht um eine Religion, sondern nur um zwei Telefone, ohne die man auch so getrost gut leben könnte. Was übrigens auch für Religionen gilt.

 

Tag 8

s7 foto nacht
Vor allem bei Nacht-Fotos liegt das S7 eindeutig vorn.

Nach einigen Tagen mit dem Telefon bin ich zufrieden. Android 6 läuft stabil und macht keine Zicken. Keine Abstürze, kein Neustart des Telefons seit der Inbetriebnahme, keine Ruckler. Der Akku hält lange, die Kamera macht geile Aufnahmen. Auf die SD-Karte kann man übrigens neben Mediendateien auch viele Apps auslagern. 32GB + 128GB sollte also reichen ^^ Die Oberfläche ist hübsch und lässt sich mit wenigen Bordmitteln und Einstellungen so anpassen, dass es sich wie iOS anfühlt – was mir den Umstieg erleichterte. Bei den Apps musste ich kleine Abstriche machen, immerhin kann ich zu 90% meine wichtigen Apps nutzen.

Zugegeben, ich habe lange eingestellt. Eigentlich sollte alles schnell und einfach gehen. Aber bei Android kann man nun einmal alles bis ins kleinste Detail konfigurieren und dafür bin ich empfänglich. Dazu kam, dass ich von iOS gewechselt habe und einige Dinge plattform-übergreifend nutzen wollte. Aber gut, am Ende lief es ab Tag 5 so wie ich wollte- der Rest war dann Spielerei. Ich würde meiner Mutter immer noch ein iPhone empfehlen – hier kann man nicht viel falsch machen, vor allem was die Einstellungen angeht. Allerdings wird die Bedienung mit jeder iOS Version un-intuitiver. Meiner Freundin habe ich heute noch ein zweites S7 ergattert.

Was noch nicht so richtig läuft? Als Kalender-App nehme ich den nativen S-Planer, der recht zweckdienlich und minimalistisch ist, aber Android immer noch kein iCloud-Sync unterstützt. Als App habe ich hier wie erwähnt SmoothSync for Cloud Calendarleider will es aber nicht so ganz wie ich wohl will. Ich sehe alle meine iOS Kalender, habe beim Eintragen eines neuen Termins aber nur einen Kalender zur Auswahl. Und dort eingetragene Termine erscheinen dann nicht bei iOS. Der Support der App von Silvio Ankermann ist übrigens sehr gut: Er hat auf mein Problem schnell geantwortet, eine Lösung haben wir aber noch nicht gefunden. Anscheinend hat der S-Planer ein Problem damit. [Update] Jetzt läuft der Kalender und die Synchro mit iOS wie geschmiert, auch mit den verschiedenen Kalendern. Geholfen hat unter Android 6 die kleine Zusatz-App JB Workaround Cloud Calender vom gleichen Entwickler.

Eine Siri-Alternative ist Samsung S-Voice (Google kommt hier nicht in Frage), die eigentlich gut funktioniert. Allerdings kann man sie nicht mit einem langen Druck auf den Homebutton starten, sondern muss das S7 erst entsperren und die App starten. Dann kann ich auch gleich die gewünschte App starten oder den Text tippen. Das nützt mir im Auto bei der Fahrt nichts. Also nutze ich das Offline-Feature, mit dem man (wie beim iPhone auch) wenigstens mit einem langen Druck auf den Homebutton einen Kontakt zur Direktwahl nennen kann.

Und Android 6 und der Datenschutz? Das waren meine größte Bedenken. Wer Android nutzt, muss sich mit Google anfreunden. Zumindest etwas. Google ist so fair, gewisse Dinge nicht abzufragen – zumindest wenn man ihnen glaubt. Doch dasselbe gilt für Apple. Ich habe mich durch die verworrenen Datenschutz-Menüs von Android 6 gewühlt und auch auf Googles Seite alles deaktiviert. Dazu kommt, dass ich für das Telefon ein neues Konto erstellt habe, womit meine anderen Aktivitäten nur wenig in Verbindung gebracht werden sollten. Auch nach einer Woche Nutzung sind bei Google noch keine Daten aufgelaufen. Und wenn, hat man dort die Möglichkeit dies wieder zu löschen.

Trotzdem muss man immer aufmerksam sein: Nach einem Android-Update waren einige Einstellungen wieder zurückgesetzt. Haben hier Windows 10 und Android voneinander gelernt? Nervig. Aber gut, damit kann ich leben.

Zu guter Letzt ein Backup. Für den Fall der Fälle hätte ich noch gern ein bequemes Backup von meinem Telefon – ohne Rootzugriff. Zumal ich meine Daten ja nicht auf Google Server speichere. Hier hilft mir die eingangs benutzte Smart Switch Software von Samsung weiter, die eh noch auf dem PC schlummerte. Hier kann ich bequem alles in einem Rutsch sichern. Und wie bei iTunes sogar verschlüsselt ablegen. Wer mag, kann sogar genau einstellen, was er sichern will – optional auch die SD-Karte mit.

[Update] Nach langen Kalender-Synchro-Orgien und dem Wechsel der kompletten Familie zu Samsung, erschien mir der Verbleib des Kalenders bei Apple obsolet. Zu Google kam ja erst recht nicht in Frage. Daher habe ich endlich mal einen eigenen Kalender-Server aufgesetzt, der in 5 Minuten eingerichtet war. Mit der OpenSource-Software OwnCloud habe ich nun alle meine Kontakte und Kalender in meiner Hand. Schnell von Apple importiert und ins S7 mit DAVdroid wieder problemlos integriert. Perfekt.

Ich bleibe beim Samsung Galaxy S7. Wenn ich das iPhone wieder anwerfe, fühlt es sich nach einer Woche klein und sogar etwas altbacken an. Das mag für viele Nutzer in Ordnung sein, für mich ist es derzeit nicht reizvoll. Vor allem weil das iPhone mehr Strahlung hat, teuren und nicht erweiterbaren Speicher hat und nicht wasserdicht ist. Auch in Sachen Kamera, Display und Flexibilität kann das S7 punkten. Während das Betriebssystem beim iPhone eher auf Datenschutz und einfache Bedienung ausgelegt ist, kann (und muss) man bei Android mehr damit beschäftigen, damit es rund läuft und Tante Google nicht alles mitschneidet. Mehr Optionen bringen auch mehr Verantwortung. Hat man das S7 aber einmal konfiguriert, macht der tägliche Einsatz Spaß. Samsungs Oberfläche ist durchdacht und das Telefon hält viele tolle Kleinigkeiten bereit. Solange Apple nichts an seiner Preispolitik ändert (und warum sollten sie das auch) und so lange die iPhone so derbe strahlen, wird kein iPhone mein „Daily Driver“ sein. Und im Endeffekt ist es nur ein Telefon.

 

5 Monate später

Auch fünf Monate nach dem Wechsel bin ich mit dem Galaxy S7 und Android immer noch zufrieden. Der Akku hält noch wie vor richtig lange durch und es gibt auch keine Abstürze zu beklagen. Auch das ehemalige Volllaufen des Speichers ist Geschichte. Android ist zu einem guten Betriebssystem geworden. Googles Datenhunger konnte ich eindämmen und bis jetzt sind keine Daten auf meinem dort extra angelegten Profil zu erkennen.

Vor kurzem hat Samsung das aktuelle Android 7 (Nougat) spendiert, was erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig war (wie bei einem iOS Update auch), aber am Ende doch mehr positive Neuerung hatte. Ich nutze immer noch Samsungs native Kalender-App in Verbindung mit CalDAV und meinen Kalendern auf dem eigenen (OwnCloud-)Server. Zumal die Datenschutz-Aussichten für Server in den USA nicht sehr rosig aussehen – was Daten bei Google wie Apple gleichermaßen betrifft.

Bei den Apps vermisse ich nichts und selbst bei den Spielen habe ich mich breitschlagen lassen, doch den ein oder anderen Titel noch einmal für Android zu kaufen. Vor allem, wenn sie für aberwitzige 10Cent verschleudert wurden. Ich merke aber, dass ich unterwegs weniger zocke, da mir die Universal-Verfügbarkeit mit iCloud-Savegames fehlt, wo ich nahtlos weiterspielen konnte…

Neben dem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis schätze ich vor allem die Kleinigkeiten, welche mir die Benutzung deutlich angenehmer machen als mit einem iPhone als Daily Driver. Zuerst schätze ich nun den unkomplizierten Download von Dateien, schnell mal ein Hörspiel oder eine PDF ziehen. Genauso wie das Anstecken via USB an den Rechner, um schnell mal Dateien zu transferieren. Das ist unter Android völlig unkompliziert, setzt aber trotzdem bei der Wahl der externen Quellen Obacht voraus.

Ich liebe die Kopfhörer-Buchse, die mit Einstecken des Kabels automatisch meinen Wunschplayer Poweramp startet und stoppt, wenn ich den Stecker wieder ziehe. Endlich kann ich auch in der Wanne das Handy ohne Sorgen mit dabei haben und wenn es mal wichtig ist, kann es auch mit unter die Dusche, ohne dass man einen Anruf verpasst. Das AlwaysOn-Display ist auf Arbeit super praktisch und gibt jederzeit Auskunft über Uhrzeit und Nachrichten-Status – unter Android 7 sogar noch besser. Mit Speicherkarte habe ich rund 160GB, die ich vor allem mit mp3s und Fotos fülle – ein toller Luxus als ehemaliger iPhone-Besitzer. Auch Apps lassen sich dorthin verschieben.

In letzter Zeit habe ich noch die Themes entdeckt, die es zahlreich gibt und mit denen man der Samsung-Oberfläche tolle Looks verpassen kann. Dazu muss man zwar ein Samsung-Konto haben, man kann es aber nach dem Download wieder komplett deaktivieren. Nette Spielerei.

Auch übrigens: Ich habe in den letzten 5 Monaten noch drei weitere Galaxy S7 gekauft, um damit die iPhones in der Familie zu ersetzten. Und ich revidiere mich: Ich würde meiner Mutter doch ein S7 empfehlen. Sie kommt wunderbar damit zurecht und möchte es nicht mehr eintauschen.

Über Tobi

Tobi gründete die AppGemeinde 2010 und führte sie sieben Jahre lang fast im Alleingang mit Liebe zum Zocken fort - bevor er sie 2018 abgegeben hat. In dieser Zeit veröffentlichte er hier rund 2.500 Artikel.