Review: The Warlock of Firetop Mountain – Besser als Scorcery! und Hero Quest zusammen?

Es geht mal wieder in düstere Dungeons! Bei The Warlock of Firetop Mountain allerdings als Spielbuch, naja fast. In den letzten Jahren haben sich die digitalisierten Relikte aus den 80er und 90er Jahren wieder großer Beliebtheit erfreut. Und auch ich habe Spielbuch-Remakes wie die Scorcery!-Reihe oder Lone Wolf erst mit iOS entdeckt…

The Warlock of Firetop Mountain

Gesamtwertung

Leser-Wertung: Sei der Erste!
100

Es geht mal wieder in düstere Dungeons! Bei The Warlock of Firetop Mountain allerdings als Spielbuch, naja fast. In den letzten Jahren haben sich die digitalisierten Relikte aus den 80er und 90er Jahren wieder großer Beliebtheit erfreut. Und auch ich habe Spielbuch-Remakes wie die Scorcery!-Reihe oder Lone Wolf erst mit iOS entdeckt und lieben gelernt. Daher war ich sehr gespannt auf das Remake von The Warlock of Firetop Mountain, das bereits 1982 in Buchform von Ian Livingstone & Steve Jackson unter Fighting Fantasy herauskam. Die iOS Version kommt übrigens von den Spielbuch-Freaks Tin Man Games

Der Berg ruft!

Mit einem der zahlreichen und unterschiedlichen Charaktere beginnt ihr eure Reise zum Firetop Mountain, wo Bösewicht Zagor auf einem sagenhaften Schatz sitzt. Wobei jede Figur ihre eigene Motivation hat, diesen zu erreichen. Die Reise wird nicht nur hart, kampfesreich und gefährlich, sondern auch jedesmal ein bisschen anders. Denn manche Wege und Ereignisse bleiben den Charakteren mit ihren Vor- und Nachteilen verschlossen, die man dann bei einem erneuten Durchspielen mit einem anderen Charakter entdecken kann.

Warlock of Firetop Mountain
Die Spielwelt wird es nach und nach aufgebaut.

Das Gameplay ist erfrischend anders als bisherige Spiele der Art. Die Geschichte wird in Textform erzählt und man bestimmt sie (wie bei Scorcery!) wieder selbst durch Auswahl des Weges und wichtiger Entscheidungen. Das Spiel stellt aber die Reise und die Spielwelt jederzeit in 3D dar. Die Welt wird (wie beim Brettspiel-Klassiker Hero Quest) erst in dem Moment aufgebaut, wenn man einen Bereich betritt – beim digitalen Spiel natürlich angenehm schnell. So spielt sich alles zwar weniger im Kopf ab (was wie bei Scorcery! auch seinen Reiz hat), wird aber liebevoll mit Brettspiel-Charme detailliert dargestellt.

Man startet mit der charakter-typischen Menge an Lebensenergie und trägt noch fünf Nahrungsrationen bei sich, mit denen man sich im Fall der Fälle helfen kann. Lebensenergie (hier gleich Stamina) kann man im Kampf, durch Fallen oder dumme Aktionen verlieren. Zum Glück kommen unterwegs immer wieder Holzbänke, die als Speicherpunkt und zur Regenerierung dienen. Stirbt man doch, kann man die drei Wiederbelebungssteine nutzen, um an der letzten Bank zu erwecken.

Ohne Mampf kein Kampf!

Neben dem Zusammenbau der Geschichte sind Kämpfe wesentlicher Bestandteil von The Warlock of Firetop Mountain. Auch bei den rundenbasierten Kämpfen gegen Orks, Zwerge, Geister oder Zombies geht das Spiel seinen eigenen Weg: Kommt es zum Kampf, wechselt man in eine Kampf-Ansicht auf eigenem kleinen Spielbrett – sozusagen die Detailansicht der jeweiligen Situation. Hier findet man dann sich selbst, die Gegner und die passenden Gegenstände auf den Spielfeldern wieder.

Warlock of Firetop Mountain
Die Kämpfe haben eine eigene Ansicht…

Die Kämpfe kann man sehr taktisch angehen. Außerdem sind sie spannend, da Spielfigur und Gegner gleichzeitig ihre geplante Aktion ausführen. Nur dass man eben nicht weiß, was der Gegner plant – das sogenannte GridBluff. Man kann zum Beispiel ausweichen oder beide Kontrahenten greifen gleichzeitig an, dann wird klassisch gewürfelt. Schick sind die Sonder-Aktionen der Charaktere, mit denen man zum Beispiel zwei Gegner gleichzeitig angreifen kann. Abgerechnet wird am Ende und man verliert hier lediglich Stamina, die man nach einem Kampf bis zum Maximalwert wieder auffüllen kann – sofern man genügend Nahrung mit sich führt.

Für einen Durchlauf benötigt man mit viel Glück rund zwei Stunden, allerdings hatte ich vorher mehrere Helden das Zeitliche segnen lassen. Es ist nicht einfach, aber beim wiederholten Spielen kennt man den ein oder anderen schwierigen Part und kann ihn umgehen. Allerdings ist jedesmal auch ein gutes Quäntchen Glück beim Würfeln nötig. Und durch die diversen Fähigkeiten und Kampfaktionen hat man auch Lust noch einen neuen Versuch zu starten.

Das schönste Spielbuch bisher

Für mich ist es das bisher schönste Spielbuch, weil hier gut animiert Brettspiel-Klassiker wie Hero Quest zitiert werden und dem Spieler dennoch Freiraum für Fantasy gelassen wird. Auch Lone Wolf war grafisch eindrucksvoll, hat aber nur die Kämpfe zum Leben erweckt. Bei The Warlock of Firetop Mountain fühlte ich mich eher an Bastion erinnert, wobei es hier deutlich düsterer zur Sache geht. Auch der orchestrale Sound und die guten Texte der Bücher tragen zur dichten Atmosphäre bei.

Zum Spielen an sich benötigt man keine weiteren InAppKäufe, es bietet aber optional noch weitere Charaktere für einen kleinen Obulus an. Das ist fair, denn der Preis der iOS Version ist gegenüber der Steam-Version deutlich niedriger, welche die Charaktere schon mit inbegriffen hat.

Was ich mir wünschen würde, wären verschiedene Schwierigkeitsgrade und natürlich eine deutsche Übersetzung. Die englischen Texte sind allerdings mit Schulkenntnissen gut zu bewältigen und schnell hat man sich eingelesen…

The Warlock of Firetop Mountain ist eine wirklich wundervolle Umsetzung eines Spielbuches, wenn nicht gar das Ideal. Hier wurde der Charme alter Klassiker liebevoll auf den Bildschirm übertragen und es hat die perfekte Mischung aus Spielbuch und Videospiel. Es lebt von einer lebendigen Welt im Brettspiel-Look, einer guten interaktiven Geschichte und taktischen Kämpfen, die immer wieder fordern und Spaß machen. Mit viel Glück schafft man einen Durchlauf in rund 2 Stunden, doch gerade das Ausprobieren der Charaktere und Erforschen der Wege zum Firetop Mountain motiviert immer wieder zu einem neuen Versuch.

The Warlock of Firetop Mountain
Entwickler: Tin Man Games
Preis: 5,49 €*

Über Tobi

Maximum Geekness. Alles fing mit dem Atari 2600 an, dann ein Atari 800XE mit Datasette, dann ein 486er mit 25Mhz und 80MB Festplatte. Und heute? Zocken! Am liebsten immer und überall. Und sonst? Alles mit Knöpfen, einem Display und bei dem man etwas einstellen kann ist interessant!
  • Skorpid

    Vielen Dank für den Spieletip ! Ich bin mit den Büchern von Ian Livingston groß geworden und liebe sie bis heute, sie stehen inzwischen 20 Jahre im Regal rum, in der Hoffnung, dass mein Junior sie in weiteren 10 Jahren auch mal zur Hand nimmt. Sorcery fand ich dementsprechend gut, aber nicht perfekt, da man doch zu oft ohne Vorwarnung oder dem Hauch einer Chance in tödliche Sackgassen geraten konnte (gut, wäre in der realen (magischen) Welt wohl auch so). Das Spiel wird garantiert ausprobiert!