Review: Third Eye Crime – Lässt sich mit Jazz-Musik besser einbrechen?

Die ungeschriebene Verbindung von zurückgelehnter Jazzmusik, die durch ein Trompete und Klavier dominiert wird und Krimispielen hat spätestens das unglaublich gute L.A. Noire zementiert. An dieses Spiel wird man auch zwangsweise erinnert, wenn man das neue Third Eye Crime: Act 1 von Moonshot Games startet: Hier übernimmt man aber die Rolle von Mr. Rothko, einem Kunstdieb, der in rund 120 Leveln Bilder und Edelsteine stiehlt. Lohnt sich der nächtliche Ausflug?

In dem ausführlichen Tutorial spielt man sich durch viele kleine Räume im nächtlichen Museum und lernt Beute einzusacken und Wächtern gekonnt auszuweichen. Währenddessen wird eine kleine Story über den Auftragsdieb erzählt, die sehr schön im Comicstil animiert wurde. Hat man es durch das Museum geschafft, wird der Schwierigkeitsgrad härter: Es kommen Gegner mit Waffen und schon bald sollte man auf  die Lebensenergie am oberen Bildschirmrand achten. Es kommen aber auch neue Spielideen: Man nutzt ablenkende Gadgets wie zeitgesteuerte Buzzer oder Verkleidungen, man trifft aber auch auf härtere Gegner oder Überwachunsgkameras.

thirdeyecrime2Was mit ‚Intelligent Pathing Design‚ beworben wird, kann ich aber nur schwer nachvollziehen. Meist war die Steuerung des Einbrechers eher ein Ärgernis. Im Idealfall zeichnet man mit einer Linie die Lauf-Route ein, was prinzipiell gut funktioniert – von kleinen Hängern an Ecken und Kanten mal abgesehen. Leider unpraktisch: Sobald man die Linie einzeichnet, läuft er los. Tippt man aber auf einen Punkt, sucht er sich den Weg nicht allein dahin, sondern läuft im schlechtesten Fall noch Gegnern in die Arme. Diese Art der Steuerung kann man also gleich vergessen, sie wäre aber praktisch bei kleinen Bewegungen. Oder alternativ eine Steuerung mit einem virtuellen Pad…

Die Gegner sind recht dumm. Es gibt verschiedene Arten von Wächtern, langsame, schnelle und bewaffnete Wachmänner. Wird man von einem schnellen Wachmann verfolgt (schneller als die Spielfigur), kann es passieren das der Wächter durch eine Mauer gebremst wird, weil die Luftlinie zwischen ihm und mir liegt und er daran ‚langschubbert‘. Hier wurde eindeutig schlecht programmiert. Leider sind die meisten Level schon so angelegt, dass man sich gar nicht so richtig unbemerkt bewegen kann, sondern das bewusst einen Alarm auslösen muss. Danach beginnt ein albernes Art Katz-und-Maus Fangerspiel mit den Wachen.

Es sind auch InAppKäufe integriert, die aber eher als Cheats funktionieren und daher zum Spielen nicht notwendig sind. Für echtes Geld kann man zum Beispiel die Zeit einfrieren oder eine Schutzweste tragen kann. Man kommt aber prima ohne aus, da man bei dritten Versuch eines Levels es auch optional (kostenlos) überspringen kann.

Die Comic-Grafik mit dem kontrastreichen Artwork erinnert an Dick Tracy aus der Vogelperspektive und bringt eine passend dunkle Stimmung auf den Bildschirm. Doch dann passen die Animationen der Figuren nicht: Die erinnern teilweise an Zombies oder zumindest scheint es so, als hätte sie dort ausschließlich gehbehinderte Wachmänner eingestellt, um Fördermittel abzugreifen. Ich gebe zu, dass ist ein kleines Detail, trübt aber den optischen Eindruck enorm. Auch die Spielfigur selbst: Nichts mit der eleganten Grazilität eines lautlosen Einbrechers, eher eines tumben Dörpers, der in der Frühe durch ein Museum poltert. Ganz hervorragend dagegen ist der Soundtrack, der wunderbar zu einem Krimi-Spiel passt und den ich mir auch so auf Platte anhören würde.

Das große Plus von Third Eye Crime: Act 1 ist die tolle Stimmung, die hauptsächlich vom Jazz-Soundtrack und vom Setting kommt. Rein spielerisch gibt es bei dem Stealth-Spiel keine wirklich neuen Spielideen, zumal die Wächter mit ihrer Einfältigkeit und die Wegführung der Spielfigur nerven – hier sollte dringend nachgebessert werden. Was bleibt ist ein solides Schleichspiel mit überzeugender Atmosphäre, in dem ihr bei 120 Einbrüchen jede Menge stehlen könnt und unterm Strich auch mit einer soliden Mischung aus Geschicklichkeit, Logik und Glück unterhalten werdet.

Third Eye Crime
Third Eye Crime
Entwickler: Gameblyr, LLC
Preis: 2,29 €+
+ angenehme Comicgrafik
+ supertoller Jazz-Soundtrack
+ ausführliches Tutorial
+ verschiedene Wachen
+ nützliche Gadgets
+ schnelle Spielgeschwindigkeit möglich
+ zusätzliche Ziele pro Level
+ Level überspringen beim 3. Versuch
+ InAppKäufe nur optional
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– schlechte Wegführung
– Level nicht auf Stealth ausgelegt
– dumme Wächter-KI
– keine iCloud Savegames

Über Tobi

Tobi gründete die AppGemeinde 2010 und führte sie sieben Jahre lang fast im Alleingang mit Liebe zum Zocken fort - bevor er sie 2018 abgegeben hat. In dieser Zeit veröffentlichte er hier rund 2.500 Artikel.