Review: Broken Age – Fabelhaftes Adventure vom Schicksal zweier Teenager


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Wenn Tim Schafer um Hilfe bittet, wird er erhört. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Du den Veteranen der Videospiel-Szene nicht kennst: Er war maßgeblich mit an Adventures wie Monkey Island und Grim Fandango beteiligt - noch heute die Messlatte für Spiele dieser Art! (Wann kommt übrigens mal ein Grim Fandango…

Broken Age

Gesamtwertung

Leser-Wertung: Sei der Erste!
100

Wenn Tim Schafer um Hilfe bittet, wird er erhört. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Du den Veteranen der Videospiel-Szene nicht kennst: Er war maßgeblich mit an Adventures wie Monkey Island und Grim Fandango beteiligt – noch heute die Messlatte für Spiele dieser Art! (Wann kommt übrigens mal ein Grim Fandango iOS Port?!)  Tim Schafer hat mit seinem Entwicklerteam Double Fine nun für ein neues Adventure bei Kickstarter um Hilfe gebeten und rund 100.000 Fans haben ihn unterstützt. Das Ergebnis ist das handgezeichnete Point&Click Abenteuer Broken Age: Act 1, dass nun auch für das iPad erhältlich ist.

Ihr schlüpft in die Rolle zweier Teenager, die zwar an völlig unterschiedlichen Orten leben, aber doch dasselbe Schicksal teilen – sie sind Teenager. Man kann im Spiel beliebig zwischen den Geschichten der beiden wechseln und die Geschichte des jeweiligen Charakters weiterspielen. Ob sich die Stränge irgendwann kreuzen, ob sich Shay und Vella irgendwann kennenlernen?

Broken Age ShayShay, ein schlacksiger Junge mit zerzaustem Haar, wohnt auf einer Raumstation, wo er von einem Computer vollautomatisch versorgt wird. Sein Vater ist unterwegs und kommuniziert nur per Videophon mit ihm. Shay ist aber gelangweilt von der alltäglichen Monotonie, die man auch als Spieler ein Stück weit miterleben soll. Eine schöne Idee, denn so kann man sich gut hineinversetzen – so spielt man immer wieder die gleichen Beschäftigungsspiele, bis einem auch selbst langweilig wird. Und wie Shay sucht man so recht schnell nach neuen Möglichkeiten, ändert den Ablauf, bis man das Programm zu Absturz bringt. Dabei schaut man hinter die Kulissen und lernt den mysteriösen Wolf Marek -einen blinden Passagier- kennen, der Shay zu ominösen „Rettungsaktionen“ überredet.

Broken Age VellaBei der jungen Vella sieht es zwar aufregender, aber dafür weniger gut aus. Sie wurde nämlich von der Dorfgemeinschaft auserwählt, von einem Monster feierlich gefressen zu werden. Welch Ehre! Meinen zumindest die Bewohner ihres Dorfes. Während die anderen Mädels aus ihrem Dorf gefressen werden, flüchtet sie kurzerhand mit einem Vogel und landet erst einmal in einem Dorf über den Wolken – mit riesigen Vögeln, einem Sektenführer, Nest-Wächtern mit Ei-Putzdienst und vielem mehr… Ihr merkt schon, auch hier haben Double Fine ihre Phantasie sprühen lassen.

Gibt es Kritik an Broken Age? Erfahrenen Spielern könnten manche Rätsel zu offensichtlich, zu einfach sein. Meist sieht man die Lösung recht schnell, mir hat das aber gefallen, denn so bin ich gut in der Story vorangekommen. Und das ist es, was das Spiel richtig gut kann: Eine interessante Geschichte erzählen, die motiviert. Manchmal etwas ärgerlich waren die für die Touch-Bedienung eng geschriebenen Sätze der Dialog-Auswahl, wodurch man manchmal die falsche Äußerung erwischt. Ansonsten gibt es für mich keine Negativ-Punkte.

Das handgezeichnete Artwork ist einfach nur eine Augenweide und sucht für iOS Verhältnisse seinesgleichen! Was man hier auf dem kleinen flachen Tablet geboten bekommt, ist toll. Die Future-Umgebung von Shay besitzt den Retrofuture-Charme von Illustrationen aus den 60er Jahren, auch die blühenden Landschaften von Vella sind einfach nur wunderschön anzusehen und haben viel Charme. Jeder neue Bildschirm ist ein kleines Kunstwerk für sich und will bestaunt werden. Auch die Animationen sind natürlich, fluffig und machen aus dem Spiel das für mich das derzeit schönste Adventure im AppStore! Der orchestrale Soundtrack ist professionell eingespielt und passt sich der Spielsituation an, die englischen Synchronstimmen sind supersympathisch und die deutschen Untertitel dazu gut lokalisiert – davon mal abgesehen, dass sie lustig sind.

Broken Age gehört wie FTL zu den Spielen, die sich auf dem iPad mit der Touch-Steuerung besser anfühlen als auf dem PC mit Maus und Tastatur. Und die dabei auch noch billiger sind. Als kleine Hilfsmöglichkeit kann man sich auf jedem Bildschirm die Objekte hervorheben lassen, mit denen man interagieren kann. Einen echten Lösungsweg oder Hinweise bietet das Spiel aber nicht. Trotzdem fand ich die Rätsel ausgewogen, so dass ich gut in der Geschichte vorangekommen bin. Es ist kein Adventure, wo man langwierig hin- und her geschickt wird, nur um die Gameplay künstlich zu strecken und mehr Inhalte zu suggerieren.

Es gibt keine InAppKäufe, außer die demnächst erscheinende nächste Episode des Adventures. Die erste Episode hier ist übrigens recht umfangreich, bis jetzt habe ich vier Stunden gespielt und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht! Ungewöhnlich: Die Speicherstände werden nur lokal, aber nicht in der iCloud gespeichert. Auf Wunsch könnt ihr sie aber in eurer Dropbox ablegen und so auch nahtlos am PC weiterspielen und umgekehrt.

Tobi meint: Ich mach es kurz: Wer auf Adentures steht, muss Broken Age spielen. Ein wahres Meisterwerk! Das klassische Click&Point Adventure baut mit der wunderbaren Grafik große Erwartungen auf und kann sie mit tollen Charakteren und verrückten Schauplätzen sowie mit einer schönen Geschichte und viel Atmosphäre bestens ausfüllen. Erfahrene Spieler könnten sich mit den einfachen Rätseln unterfordert fühlen, dafür kommt man im Spiel gut vorwärts und es bietet ja schon im ersten Akt lange Spielzeit. Neben The Inner World, Baphomets Fluch 5 und Botanicula eins der besten Adventures für iOS! Ich freue mich schon auf die nächste(n) Episode(n)!

Axel meint: Ja, Broken Age ist nett. Mehr aber auch nicht. Gerade von jemanden wie Tim Schafer, der maßgeblich hinter meinen Kindheitsklassikern wie Sam & Max, Vollgas und Grim Fandango steht (aber auch in den letzten Jahren mit Spielen wie Psychonauts und Brütal Legend echte Hits ablieferte), habe ich mehr erwartet: Mehr Story, mehr Witze, mehr Rätsel. Wäre das Spiel vor 10 Jahren erschienen, hätte ich es auf Grund mangelnder Genrevertreter sicherlich noch abgefeiert. Doch das Point & Click Adventure hat im letzten Jahrzehnt ein grandioses Comeback gefeiert, allen voran die wunderbaren Spiele von Daedalic und Wadjet Eye Games. Beide zeigen, wie man heute spannende Geschichten und ein modernes Storytelling in das Genre einweben kann und zudem haben sie auch das, was ein Point & Click Adventure für mich ausmacht: Ein tolles Rätseldesign. Broken Age bleibt da einfach hinter den Erwartungen zurück. Leider hält Broken Age nicht im geringsten ein, was es versprochen hat: Eine Reise in unsere Kindheit, als Adventures den PC-Markt dominierten. Schon als ich vor einiger Zeit die PC-Version gespielt habe, habe ich mich unterfordert gefühlt. Man wusste immer, was als nächstes zu tun ist. Es gab kaum Stellen im Spiel, wo ich richtig nachdenken musste und das ist für mich in einem Adventure ein sehr starker Minuspunkt. Ich möchte vor Herausforderungen gestellt werden, knobeln und experimentieren. Broken Age dagegen fühlt sich für mich wie ein interkativer Film an, statt einem klassischen Adventure mit ausgeklügelten Rätseldesign. Wenn die Geschichte wenigstens in den Bann ziehen würde. Aber ich konnte mich nicht mit den Figuren identifizieren, zu keiner Zeit war ich gespannt, was als nächstes passieren würde. Versteht mich nicht falsch: Broken Age ist kein schlechtes Spiel! Es macht auf technischer Seite viel richtig. Mir fehlt aber die Seele in den Charakteren, wie sie beispielsweise ein Charles Cecil in Nico und George in der Baphomets Fluch Reihe transportiert.  Mir fehlt die Herausforderung in den Rätseln, wie man sie in den Daedalic Spielen findet. Wenn Broken Age ein normales Adventure wäre, würde ich beide Dinge gar nicht so sehr anprangern. Aber von jemand wie Tim Fuckin‘ Schafer habe ich einfach mehr erwartet. Viel mehr! Von mir gibt’s 3 von 5 Wertungssternen.

Broken Age ™
Broken Age ™
Preis: 5,49 €
+ handgezeichnte Grafik
+ tolle Animationen
+ schöne Story
+ guter Soundtrack
+ verrückte Charaktere
+ kleine Hilfsmöglichkeiten
+ zwei Story-Stränge
+ Abbrechen von Dialogen / Wegen
+ keine InAppKäufe (nur weitere Episoden)
+ deutsche Untertitel
+ Speichern zu jeder Zeit
+ Savegames in Dropbox
– teilweise sehr einfach
– keine iCloud Savegames
– relativ kleine Dialog-Auswahl

Über Tobi

Maximum Geekness. Alles fing mit dem Atari 2600 an, dann ein Atari 800XE mit Datasette, dann ein 486er mit 25Mhz und 80MB Festplatte. Und heute? Zocken! Am liebsten immer und überall. Und sonst? Alles mit Knöpfen, einem Display und bei dem man etwas einstellen kann ist interessant!