Kolumne: Warum meine Oma Ausschlag von InAppKäufen bekommt

Tag! Ich werde hier ab sofort immer mal eine Kolumne schreiben. Warum ich? Weil ich Lust habe. Und seit dem ich Rentner bin auch Zeit. Warum hier? Ich habe mich lange umgesehen, aber die wenigen anderen deutschen Blogs dieser Art haben mich eher genervt und abgeschreckt. Zu viel Kommerz, zu viele Android-Kiddies mit zu viel Zeit. Die Kolumne erscheint sicher nicht regelmäßig, sondern nur wenn mir danach ist. Doch genug der langweiligen Vorrede!

Candy Crush Saga Kontoauszug Meine Oma hat kürzlich ihren 102. Geburtstag gefeiert. Als Geschenk hat sie von uns einen neuen iPod touch bekommen. Damit sie nicht mehr alle Leute im Haushalt anstellt, sondern sich mal mit anständigen Dingen beschäftigt. Hauptsache, wir haben etwas Ruhe. Glücklicherweise hat sie Candy Crush Saga für sich entdeckt. Dachten wir zumindest zu Beginn. Jede freie Minute hat die Alte gezockt. Was für eine herrliche Ruhe. Doch die schlechte Nachricht kam mit der letzten Kreditkarten-Abrechnung. Gerlinde hatte in zwei Wochen Dauerspielen nicht nur wunde Finger bekommen. Nein, sie hat auch etwas über eine Milliarde Euro mit InAppKäufen dort verbraten! Vielleicht habt ihr ja davon gelesen.

Das ist eine Zahl mit neun Nullen! Und dabei ist das Wort im Deutschen erst seit den Kriegsentschädigungszahlungen Frankreichs an das Deutsche Kaiserreich 1870/1871 bekannt! Solche Spieler wie Oma nennt man übrigens Wale. Na schönen Dank Oma! Da hat sie doch das ganze Erbe durchgebracht, bevor sie abnippelt. Himmelhergottnocheinmal! Da bleiben mir nur ihre Immobilien in Kalifornien. Vielleicht.

Um mir die schlechte Laune zu vertreiben, habe ich mich auf eine Parkbank gesetzt, die ersten Sonnenstrahlen genossen und die Ferienkinder an mir vorrüberziehen lassen. Ha, wenn die wüssten, dass ich in meiner Buchhülle ein iPad mini habe, auf dem ich zocke! Wenn sie es wüssten, hätte sich sicherlich eine Traube um mich gebildet. Die Rotzer hätten geglotzt und ständig gefragt, ob sie nicht auch mal probieren dürften. Nein, dürft ihr nicht. Verdient euer eigenes Geld, um euch überteuerte Hochtechnologie zu leisten! Und geht gefälligst arbeiten, um mir meine Rente zu sichern!

Weil wir gerade bei den verpickelten Jungspunden sind. Regen die sich doch wieder mal tierisch über den Schwierigkeitsgrad von Spielen auf. Früher, zu unserer Zeit, da… gab es noch keine Computer. Da war schon das Leben eine Herausforderung. Heute ist die Jugend doch verweichlicht und heult gleich rum. Wie zum Beispiel bei Hero Emblems. Was für ein wunderbares Stück Software. Wie viele glückliche Stunden habe ich mit diesem bunten Spiel in meinen schlaflosen Nächten verbracht. Doch die Jugend heult im App Store rum. Von wegen zu schwer! Da muss man eben eine Stelle nochmal probieren! Aber es kam, wie es kommen musste. Seit dem letzten Weichei-Update gibt es nun iCloud und einen Casual Modus, so recht für die Jugend für heute. Wer will, hat es schön leicht und kann es auf seinen vielen Apfelgeräten gleichzeitig spielen. Pffff!

Als ich so im Park saß, habe ich mir die Zeit, neben Joggerinen kucken, mit Daytona Rush vertrieben. Was für ein grafisch hübscher wie eintöniger Spaß. Genau das richtige für einen Rentner. Das Spielprinzip kenne ich seit der Nachkriegszeit. Gefühlt. Aber alles ohne Werbung. Wie nett! Doch dann kam zwei Tage nach dem Release ein Update. Seit dem gibt es die Möglichkeit Werbevideos für noch mehr Geld zu kucken. Die man auch benötigt, weil die Preise für Upgrades stark gestiegen sind. Ich bin zwar Rentner und habe theoretisch viel Zeit, aber nun auch nicht mehr so viel, weil ich bald sterbe. Danke. Netter Versuch. Spiel gelöscht.

Ach ja. Noch was zum Thema Kommentare. Ich erwarte hier exakt Null Komma Null Kommentare unter dieser Kolumne. Nicht weil ich hier Kokolores schreibe. Das Gegenteil ist der Fall. Nein, weil die Jugend hier zwar kräftig liest (wie ich mit Erstaunen festgestellt habe), wohl aber zu faul ist zu kommentieren. Schön. Da kann ich ja schreiben was ich will und muss mich nicht mal erklären. Internet, ich liebe dich!

Über Tobi

Tobi gründete die AppGemeinde 2010 und führte sie sieben Jahre lang fast im Alleingang mit Liebe zum Zocken fort - bevor er sie 2018 abgegeben hat. In dieser Zeit veröffentlichte er hier rund 2.500 Artikel.