Criminel iOS Review

Review: Criminel – Düstere Mord-Fälle mal zwischendurch lösen?

Glückwunsch! Ihr habt eure Stelle bei der Pariser Polizei bekommen. Da eine moderne Mordkommission im Jahre 1890 mehr Personal braucht, bist Du an Bord. Bei Criminel von 4PM untersucht ihr Mordfälle und überführt (im Idealfall) den Täter. Das düstere Setting stimmt und auch die Grafik kann sich sehen lassen. Alles hätte so gut werden können… doch… doch ich fange von vorn an.

Der Ablauf eurer Arbeit an den Mordfällen ist immer identisch: Zuerst werdet ihr vom Polizeichef an den neuen Tatort beordert, den ihr ausgiebig nach Hinweisen untersuchen müsst. Der Tatorte ist meist ein kleines Areal, in dem man eine fest vorgegebene Anzahl von Beweisen finden muss. Und ihr kommt auch erst weiter, wenn ihr alle gefunden habt. Ihr bewegt euch dabei mit einem Tapp an die gewünschte Stelle, mit Bewegungen auf dem Touch seht ihr euch um. Das funktioniert gut, als Alternative gibt es noch den Neigungssensor.

Criminel iOS ReviewHabt ihr alle Hinweise gefunden, geht es ab ins Polizei-Revier. Oder so was ähnliches, denn man sieht nur komische Gänge und man muss durch Bilderrahmen in Zimmer steigen?! Hmm, hab ich irgendwie was verpasst? Egal, dass hätte sich der Entwickler sparen können, denn das Gelatsche durch die unnötig verwinkelten Gänge ist schon nach kurzer Zeit Nerverei. Und sonst nix. Im Polizei-Review müsst ihr jedenfalls die Hinweise untersuchen. Sollte man meinen – eigentlich müsst ihr aber nur noch mal die Fotos der gerade gefundenen Hinweise antippen. Das war’s.

Weiter geht es durch verwinkelte Gänge und Bilderrahmen in den Raum, wo man auf einer schriftlichen (englischen) Zeugen-Befragung wichtige Signal-Wörter anstreichen muss. Auch an sich gut gedacht, doch im Endeffekt kann man wild über den Text streichen und es werden irgendwann alle wesentlichen Wörter markiert. Auch hier geht es erst weiter, wenn man alle Hinweise hat. Und die bekommt man (theoretisch) wieder ohne nachzudenken oder englisch zu verstehen.

Dann geht es wieder durch Flure und Bilderrahmen – ihr kennt das Spiel – ins Verhörzimmer. Dort muss man nun an Hand der bisherigen Erkenntnisse und linear zusammengetragenen Hinweise einen Schuldigen bestimmen. Zur Auswahl stehen meist an die 7 Straftäter mit einer kurzen Beschreibung. Wählt man den richtigen Täter, ist der Fall gelöst. Wählt man einen Unschuldigen aus, kann man den Fall noch mal von vorn machen. Eine echte Konsequenz gibt es nicht. Insgesamt hat man 5 Fälle, die man von Beginn an einzeln anspringen kann, wobei der erste Fall ein kurzes Tutorial ist. In der Regel löst man einen Fall in rund 5 bis zehn Minuten, viel Umfang gibt es bei Criminel mit rund 30 Spielzeit also nicht…

Optisch wurde das Spiel recht reizvoll in das Paris des vergangenen Jahrhunderts verlegt, etwas Jule Verne und Steampunk schwingen genauso wie eine permanent düstere Stimmung mit. Schön morbide anzusehen und flüssig unter den Fingern. Dazu kommt ein ständig aktiver Grafik-Filter, der zwar nett anzusehen ist, aber man meint permanent, man müsse den Touchscreen putzen. Weniger ist manchmal mehr. Auch wenn es nicht viel Text gibt, muss man ihn nur lesen, Synchronsprecher gibt es keine. Zu hören sind im Prinzip nur ein paar düster wabernde Elektroflächen, die immerhin für gute Atmosphäre sorgen.

Alles hätte bei Criminel so gut werden können… Der grafische Unterbau, das Setting und die Detektiv-Idee ist toll und bisher im AppStore so noch nicht vertreten. Als Vorbilder hätten hier PC-Kollegen wie L.A. Noire oder das aktuelle Sherlock Holmes herhalten können. Wenigstens in Ansätzen. Statt dessen ist der spielerische Part hier ein echter Witz und wurde auf Vorschulniveau degradiert. Auch wenn es anfangs Spaß macht die kleinen Tatorte zu untersuchen, echte Rätsel gibt es keine – eigentlich muss man sagen, ein echtes Spiel gibt es nicht. Auch die Story wird vernachlässigt. Hier spielt man in vorgegebenen Bahnen und darf nur an wenigen Stellen überhaupt selbst etwas entscheiden. Da fehlt der Reiz des Ausprobierens und auch des Scheiterns, man wähnt sich mehr in einer TechDemo. Schade.

+ düstere Atmosphäre
+ realistische Gesichter
+ einfache Steuerung
+ Hilfsfunktion
+ keine InAppKäufe
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– nervende Zwischen-Spielteile
– linearer Spielverlauf
– sehr einfach
– wenig Fälle / Umfang
– komplexes Englisch
– keine iCloud Savegames

Über Tobi

Maximum Geekness. Alles fing mit dem Atari 2600 an, dann ein Atari 800XE mit Datasette, dann ein 486er mit 25Mhz und 80MB Festplatte. Und heute? Zocken! Am liebsten immer und überall. Und sonst? Alles mit Knöpfen, einem Display und bei dem man etwas einstellen kann ist interessant!