Mit der einschneidenden Revolution für den Iran beschäftigt sich 1979 Revolution Black Friday der New Yorker Entwickler von iNK Stories, dass im Prinzip wie ein interaktiver Film im Stile von Telltale-Spielen gemacht ist. Das heißt, die Story läuft meist mit schön animierten Sequenzen wie ein Spielfilm ab und man immer wieder mit Multiple-Choice-Antworten den Verlauf voranbringt. Doch es wird auch actionlastiger: Man steuert den Charakter auch selbst, löst QuickTime-Events aus oder steht unter Zeitdruck - dies aber nur selten und mit einem dicken Polster, so das es frei von Frustration bleibt. Denke ich an den Iran, fallen mir zuerst die Streitigkeiten wegen des Atomprogramms…

1979 Revolution Black Friday

Atmosphäre
Optik
Gameplay

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Mit der einschneidenden Revolution für den Iran beschäftigt sich 1979 Revolution Black Friday der New Yorker Entwickler von iNK Stories, dass im Prinzip wie ein interaktiver Film im Stile von Telltale-Spielen gemacht ist. Das heißt, die Story läuft meist mit schön animierten Sequenzen wie ein Spielfilm ab und man immer wieder mit Multiple-Choice-Antworten den Verlauf voranbringt. Doch es wird auch actionlastiger: Man steuert den Charakter auch selbst, löst QuickTime-Events aus oder steht unter Zeitdruck – dies aber nur selten und mit einem dicken Polster, so das es frei von Frustration bleibt.

Denke ich an den Iran, fallen mir zuerst die Streitigkeiten wegen des Atomprogramms ein. Im geistigen Auge sehe ich das Klischee verhüllter Frauen und Männer mit Turban vor mir (auch wenn es sicher nicht dem realistischen Bild entspricht). Doch das war nicht immer so, denn der Iran, das Land der Arier, hat mit einer Revolution im Jahre 1979 einen großen Rückschritt gemacht – vorher war der Iran deutlich westlicher geprägt. Ein Bekannter, der in den frühen 70ern durch den Iran trampte, beschrieb Teheran eher wie New York. Als 1979 der anti-westliche Ruhollah Chomeini an die Macht kam, schaltete er gewaltsam andere revolutionäre Gruppen aus. Er schreckte nicht vor Terror und Massenhinrichtungen gegen Feinde der neuen islamischen Republik zurück. Doch lest mehr dazu bei Wikipedia nach, jetzt erst einmal zum eigentlichen Spiel…

Fotos für die Freiheit

Die Story dreht sich um den jungen Foto-Journalisten Reza, der mit Fotos der Revolution erwischt wird und gleich mal von den amtierenden Kräften in einen dunklen Knast verschleppt und dort verhört wird. Das geht ja gut los. Die Situation wird nicht entspannter, als auch noch Rezas Pläne ans Tageslicht kommen, ein wichtiges Hauptquartier zu sprengen. Während man im Verhör sitzt, erinnert sich Reza an wichtige Stationen der letzten Wochen und wir springen im Spiel mit ihm dort hin zurück, um sie zu spielen.

1979 revolution black friday

Harter Tobak sorgt für Emotionen, Atmosphäre und Immersion.

Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: 1979 Revolution Black Friday ist nichts für junge Menschen und Spieler mit schwachen Nerven, denn hier spielt man eine Folterszene, die wirklich ans Gemüt geht. Nach 19 kurzen Kapiteln und rund 3 Stunden Spielzeit ist alles vorbei, jedoch geht das für 5€ völlig in Ordnung, zumal das Spiel auch noch länger im Kopf herumspukt. Das Spiel hätte gern viel ausführlicher sein können und einige Charaktere noch tiefer beleuchten. Als die ganze Situation am Ende aus dem Ruder läuft, endet das Spiel leider auch schon. Hier hätte mehr Spieltiefe gut getan.

Spiel & Realität verschwimmen

1979 revolution black friday

Echte Fotos werden nahtlos integriert.

Trotzdem: Sehr schön wurden hier die echten historischen Fakten in die Geschichte integriert, die auf echten Orten, Begebenheiten und Personen beruht und so die Grenze von Spiel & Realität verschwimmen lässt. Gut gewählt ist der Protagonist als Fotograf, da man so (mit kleinen Quick-Time-Events) häufig Bilder von wichtigen Stationen der Revolution und des alltäglichen Lebens im Iran zu dieser Zeit macht. Die InGame-Fotos werden durch passende echten Bilder (und Filme) ergänzt. Dazu kann man in einer Art Buch noch die historischen Fakten nachlesen. Hier lassen sich sogar die Tapes von Ayatollah Khomeini nachhören, die damals als revolutionäre Nachrichten aus Frankreich unter der Hand verteilt wurden.

1979 revolution black friday

Wirklich hübsch und schön animiert.

Die Aufmachung des Spieles ist ganz großartig gelungen. Schon beim ersten Kapitel und dem Vorspann wird klar, dass hier Entwickler am Werk waren, die ihr Handwerk verstehen – sie schaffen es vor allem, den Spieler emotional abzuholen. Auch die Cell-Shading Optik gefällt und erzeugt mit schönem Licht & Schatten-Spiel viel Atmosphäre. Matschige Texturen an Hauswänden, völlig egal, denn um solche Details geht es hier nicht. Für iOS Verhältnisse sieht 1979 Revolution Black Friday fantastisch aus und läuft gut. Der Soundtrack und die Synchronsprecher sind ganz hervorragend, so dass ich hier unbedingt Kopfhörer empfehle. Das Spiel ist komplett ein Englisch, kommt aber mit Untertiteln.

1979 Revolution: Black Friday ist ein gutes narratives Spiel, das umso ergreifender ist, da man hier nicht nur eine wahre Begebenheit nachspielt, sondern dies auch mit echten Bildmaterial. Das macht zum einen sehr betroffen und das Spiel zu einer emotionalen Erfahrung, die man so nur selten (siehe auch Valiant Hearts oder This War of Mine) im AppStore findet. Das Spiel schafft es, eine erschreckend bedrohliche Atmosphäre zu schaffen, womit es gut als Anti-Kriegs-Spiel durchgeht. Daher empfehle ich euch – gerade in den heutigen Zeiten – diesen wichtigen Titel zu spielen. Ihr lernt nicht nur etwas über Geschichte, sondern schätzt es in einer säkularen Demokratie und in Frieden zu leben. Klingt hochtrabend, ist aber so.

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+ grandiose Grafik
+ natürliche Animationen
+ spannende emotionale Story
+ basierend auf echten Begebenheiten
+ leichte OneTouch-Steuerung
+ verschiedene Enden
+ echte Fotos / Filme
+ viele Zusatzinfos
+ toller Soundtrack
+ keine InAppKäufe
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– englisch
– manche Charaktere farblos
– keine iCloud Savegames
– viel Speicherbedarf (2,1 GB)
– mit ~3 Stunden Spielzeit recht kurz