Denk ich an Rockstar Games, denk ich an GTA. Doch der umtriebige Entwickler und Publisher hat natürlich noch viele weitere Perlen im Angebot, von denen es kürzlich eine weitere in Apples App Store geschafft hat. Vor ein paar Wochen wurde die Bully Anniversary Edition für iOS portiert. Ich will mich gleich mal outen – ich habe das Spiel bisher nie gespielt. Umso interessanter ist es für mich, ein hochgelobtes Spiel zehn Jahre nach dessen initialen Release (damals auch “Canis Canem Edit“) zu entdecken. Ob es heute noch einen Kauf wert ist?

Wie ist die iOS Portierung von Bully?

Gleich zuerst der wichtige Aspekt der Portierung: Das Spiel läuft richtig flüssig, selbst auf älteren iGeräten. In den Optionen kann man auch noch an der Grafikqualität schrauben. Die Grafik sieht erstaunlich gut aus, nur wenig Spuren von 10 Jahren Alter, was bei einem 3D Spiel ein riesiges Kompliment ist – zumindest für iOS Verhältnisse. Da der Sound 1:1 übernommen wurde, kann man auch hier Lorbeeren vergeben. Die Musikauswahl ist gut und die Sprecher sind toll. Wie üblich ist alles Englisch vertont, es gibt aber deutsche Untertitel.

Die Touch-Steuerung ist gut und bietet wenig Überraschungen: Mit einem virtuellen Joypad bewegt man sich, mit wenigen großen Buttons führt man alle Aktionen aus. Funktioniert intuitiv und präzise. An wenigen Stellen – wenn es nämlich hektisch wird – wünscht man sich dann doch ein echtes Gamepad in der Hand. Das geht zwar dank MFi Controller Support, doch auch Jahre nach der Einführung besitzen das die wenigsten iOS Spieler. Aber auch in hektischen Situationen kann man sich mit etwas Button-Mashing freikämpfen und dann die Sache kontrollierter angehen. Kritisch wird es nur, wenn man die Kamera drehen will und dafür mit der rechten Hand neben den virtuellen Buttons wischen muss. Aber was ist schon perfekt.

Ein Jahr mit Jimmy Hopkins

bully review iOSUm was geht es grundlegend? Man schlüpft in die Haut von James “Jimmy” Hopkins, einem untersetzten, glatzköpfigen Pubertanten, der es wahrlich nicht leicht hat. Seine eh schon grantige Mutter heiratet einen noch viel schlimmeren neuen Mann. Doch das bekommt man nur am Rande mit, denn James geht eh ins Internat der Bullworth Academy, wo man im Spiel ein Jahr verbringen muss. Das auch, weil man von der letzten Schule wegen einiger Vergehen wie Vandalismus geflogen ist…

Wenn man in der “härtesten Schule des Landes” unterkommt, bleiben Schlägereien nicht aus. Und Jimmy muss sich oft behaupten. Zum Glück ist er selbst dafür körperlich günstig gebaut, sondern ist dabei auch die Steuerung gut und die Aktionen vielfältig. Ist der Gegner kurz vor dem KO, kann man ihn noch mit diversen Aktionen demütigen, zum Beispiel ihn mit seinen eigenen Fäusten schlagen. Alternativ kann man sich aber auch manchmal mit Bestechungen aus der Affäre ziehen.

Humor? Kommt vor.

Gleich in den ersten Minuten merkt man einen weiteres Merkmal von Rockstar-Spielen wie GTA: Den hervorragenden Humor. Immer etwas übertrieben, aber dennoch so realistisch, dass man viele Parallelen erkennt. So auch hier bei Bully. Rockstar zeichnen auch in diesem Spiel wieder herrlich das Bild einer Gesellschaft und eines Schulsystems, dass vor allem mit drastischen Strafen erziehen will, auf der anderen Seite wird der harte kapitalistische Wettbewerb hochgehalten. Ellenbogen raus. Das Spiel entlarvt durch Überzeichnen und regt zum Nachdenken an. Guter Stoff.

Statt Polizisten wie bei GTA gibt es Präfekten als Aufseher, vor denen man sich wie bei Assassin’s Creed verstecken kann – bei Bully eben nur im Mülleimer. Natürlich gibt es deswegen auch eine Ärger und Gesucht-Anzeige. Soweit also alles recht bekannt, nur das es hier mit dem Schulsetting verpackt wurde.

bully review iOS

Beschäftigungstherapie: Minispiele als Unterricht

Passend zum Setting muss man wirklich pünktlich in der Klasse sein (eine eingeblendete Uhr hilft), wo man die verschiedensten Fächer absitzt. Dies als Minispiele, die teils QuickTime-Events sind und meist nur gutes Timing benötigen. Wie im richtigen Leben, kann sich auch Jimmy etwas aus dem Unterricht mitnehmen – so lernt er in Chemie, wie man Feuerwerkskörper bauen kann. In Englisch muss man Buchstaben-Salat mit möglichst viele Wörter bauen. In Kunst zeichnet man verdeckte Kunstwerke frei, während man im Sport beim Ringen neuen Kampfmoves lernt oder in Musik eine Art Guitar Hero spielt. So sind alle Fächer etwas Beschäftigungstherapie, um die Spielzeit zu ziehen – auf der anderen Seite machen sie Spaß, es bleibt halbwegs abwechslungsreich und spiegelt doch die Realität wieder.

Während man die meiste Spielzeit auf dem Campus abhängt, von Schulstunde zu Stunde und von Auftrag zu Auftrag hetzt, darf man später noch die komplette Spielwelt erkunden. Hier zum Beispiel mit dem Fahrrad, zu Fuß oder Skateboard in die nächste Stadt zu düsen. Insgesamt darf man bei den über 50 Missionen mit 14 Stunden Gameplay rechnen. Wer alles sammeln und erfüllen will, darf locker noch mal 10 Stunden ranhängen – das ist für iOS Verhältnisse ordentlich. InAppKäufe gibt es (wie im Original) keine.

Mit Bully: Anniversary Edition liegt ihr richtig, wenn ihr gern in eine komplexe Spielwelt abtaucht und euch das Schulsetting zusagt. Allzu zart besaitet sollte man aber nicht sein, denn bei Bully geht es rauh zu und man muss oft fies sein – sicher ist Trevor aus GTA 5 hier zur Schule gegangen. Politisch korrekt ist Bully nicht. Das Spiel nimmt aber Neulinge schön an die Hand und schnell sind zwei Stunden weg. Das Spiel hat einen großen Umfang, bei dem man gut unterhalten wird. Die Story wird zwar durch kleine Nebenaufgaben und die Schulfächer in die Länge gezogen, aber durch verrückten und überdrehten Humor ist dies gut zu ertragen. Unterm Strich ist Bully auch nach 10 Jahren noch ein gutes Spiel mit einer guten Portierung, das man beruhigt für unterwegs kaufen kann.

[appbox appstore 1148321705][appbox googleplay com.rockstargames.bully]
+ große offene Spielwelt
+ immer noch tolle Grafik
+ gute Portierung
+ viel Umfang / lange Spielzeit
+ tolle Story mit viel Humor
+ Grafik anpassbar
+ guter Soundtrack / Synchro
+ deutsch (Untertitel)
+ gute Touch-Steuerung
+ MFi Controller Support
+ keine InAppKäufe
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– keine iCloud Savegames / nur via Rockstar Club
– rund 2,4 GB Speicherbedarf
– fummelige Steuerung bei Hektik