Ach, liebe AppGemeinde, ich habe ich es wieder einmal mit einem Spiel zu tun, welches auf sämtlichen anderen Seiten zum Thema iOS Gaming eine Höchstwertung nach der anderen abstaubt. Und dabei frage ich mich wieder einmal: Haben diese Schreiberlinge das Spiel eigentlich länger als eine Stunde gespielt? So geschehen bei dem Adventure/RPG-Hybriden Dark Fear von der Indie-Schmiede Arifgames. Warum das Grusel-Adventure bei mir nicht zündet, zeigt der folgende Test.

Eigentlich startet das Spiel ganz hübsch: Ihr schlüpft in die Rolle eines Mannes, der ohne Erinnerung in einer Holzhütte im tiefen Wald aufwacht. Stilecht präsentiert in schönster VGA-Grafik, wie man es von alten DOS Spielen kennt. In der Tat wurde das ganze Spielinterface den frühen Sierra-Adventures nachempfunden. Jemand wie ich, der mit den ganzen alten Sierra-Abenteuern aufgewachsen ist, fühlt sich da natürlich sofort heimisch. Einen kleinen Unterschied zu Kings Quest & Co. gibt es: Das Spiel wird aus der Ego-Perspektive dargestellt. Zudem überzeugt das ganze Spiel mit dem atmosphärischen Soundtrack eines Orchesters.

DarkFear2Wir schauen uns in der Hütte um, nehmen alles mit was nicht niet- und nagelfest ist und können irgendwann die Tür aufbrechen. Spätestens in den Wäldern offenbart die liebevolle Pixelgrafik seinen Charme und eine ganz eigene Atmosphäre. Und schon bald machen wir Bekanntschaft mit dem zweiten Gameplay-Element: den Kämpfen. Auf euren Reisen durch diese gruselige Welt mit Wäldern, Gruselhäusern, Friedhöfen und Wüsten begegnen Euch allerlei wilde Tiere und Monster, die es zu besiegen gilt.

Leider ist das Kampfsystem aber sehr simpel. Um einen Volltreffer zu landen, muss ein auf und ab steigender Pfeil in einer Leiste in der Mitte angehalten werden. Später lernt ihr kräftigere Spezialattacken, welche nach zwei geglückten normalen Treffern eingesetzt werden können. Im Endeffekt wird sich die Kampftaktik bis zum Ende des Spieles nicht ändern: Zwei normale Volltreffer, Spezialattacke, wieder zwei Volltreffer, gelegentlich mal einen Heiltrank. Das ist mir persönlich dann doch zu simpel und so fingen die Kämpfe schnell an mich zu nerven.

Gut, vielleicht kann die Geschichte einiges raus reißen? Diese erzählt zwar nicht wirklich Neues, sondern besteht aus allseits bekannten Tropes alter Gruselspiele, aber sie ist interessant genug, damit man am Ball bleibt. Im Endeffekt geht es darum, dass eine dunkle Macht die Herrschaft über das Land ergiffen hat. Ihr seid der Auserwählte, der all die Monster und Geister nun besiegen muss. Dabei begegnen euch eine Hand voll Charaktere im Dorf und in den Wäldern, für die ihr einige Aufgaben nach dem Schema “Gehe dort und dorthin, besiege das Monster und Du bekommst etwas von mir” erledigt. Kann man machen, ist aber nicht sonderlich originell oder kreativ.

DarkFear3In den ersten zwei Stunden gibt es zu den Kämpfen auch schöne Rätsel, von Inventar-Rätseln bis zu kleinen Minispielen reicht dabei die Bandbreite. Diese sind definitiv auch eine der Stärken des Spiels. Aber leider werden die Rätsel ab Mitte des Spiels spürbar weniger und sind gegen Ende gar nicht mehr vorhanden. Dafür tritt ein viel nerviges Element in den Vordergrund: Tiere jagen.

Genauso wie bei den Kämpfen muss auch bei der Jagd nach Tieren der Pfeil innerhalb einer gekennzeichneten Fläche auf einer Leiste angehalten werden. Die Felle lassen sich im Dorf verkaufen und mit dem Geld können Heiltränke, neue Rüstungen und neue Waffen gekauft werden. Das Problem dabei ist, dass diese Mechanik spürbar zur Spielzeitstreckung eingesetzt wird – damit wird das Spiel später zur Belastungsprobe. Kaum habt ihr einen starken Gegner besiegt, sind neue Ausrüstungsgegenstände verfügbar. Dafür muss man aber sicherlich mindestens 10-15 Minuten jagen gehen, um das Geld zu sammeln. Insgesamt kommen solche Stellen mindestens fünf Mal im Spiel vor und verhageln mir den Spielspaß! Warum diese künstliche Spielzeitstreckung in anderen Reviews nicht thematisiert wird, bleibt mir an dieser Stelle ein Rätsel.

Statt dieser Spielzeitstreckung hätte man sicherlich auch kreativer für Geldzufluss sorgen können, etwa mit optionalen Quests und Rätseln, bei dessen Lösung man Geld oder Ausrüstung bekommt. In dieser Form jedoch bleibt der Spielspaß schnell auf der Strecke und man muss sich regelrecht quälen, um weiter zu kommen. Diese ganze Mechanik fühlt sich eher nach Arbeit als nach Spiel an.

Axel meint: Nachdem die Freude über die liebevolle Grafik und dem tollen und sphärischen Soundtrack verflogen ist, merkt man, dass bei Dark Fear die Rätseldichte mit der Zeit gravierend abnimmt. Was bleibt sind schrecklich langweilige Kämpfe und noch nervigere Spielzeitstreckung bei einer okayen Geschichte, die aber keineswegs mitreißt. Daher gebe ich dem Spiel noch wohlwollende zweieinhalb Wertungspunkte. Von “ausgezeichnet” (fünf Punkte) ist das Spiel weit entfernt. Auch für “sehr gut” (vier Punkte) reicht es noch lange nicht. Zum Vergleich: Das sind Wertungsbereiche, wo ich Spiele wie The Whispered World (Adventure) oder The Banner Saga (Rollenspiel) ansiedeln würde. Allgemein gibt es im App Store in beiden Genres so viele qualitativ hochwertige Alternativen, dass bei diesem Spiel höchstens drei Wertungssterne übrig bleiben. Und dann gibt es nochmal einen Abzug für langweilige Kämpfe und freche Spielzeitstreckung. Beinharte Genre-Fans und Bewunderer toller Pixelgrafiken können einen Blick riskieren, für alle anderen ist das Spiel nicht zu empfehlen.

Tobi meint: Ich habe in diesem Genre vielleicht nicht so hohe Ansprüche, denn mir hat Dark Fear richtig gut gefallen. Mehr noch, mich hat das Spiel richtig überrascht – normalerweise habe ich mit Horror nichts am Hut, trotzdem hat mich das Spiel angesprochen und lange Zeit gut unterhalten. Die Optik und den Sound fand ich unter Retro-Maßstäben charmant und das Spiel hätte in den frühen 90ern groß abgeräumt. Wer also auf atmosphärische Adventures steht, Retro-Grafik mag, in kleinen Kämpfen mit gutem Timing bestehen kann (wobei ich froh war, dass sie nicht komplexer waren) und auch dem Englischen nicht abgetan ist, bekommt hier ein schickes Kleinod, dass mich bisher gut unterhalten hat. Von mir deswegen 4/5 – was für ein Retro-Adventure dieser Art durchaus angemessen ist.

[appbox appstore 1042077976]
+ hübsche Pixelgrafiken
+ anfangs tolle, logische Rätsel
+ leichte Steuerung
+ gute (+eigene) Savepunkte
+ toller Soundtrack
+ keine In App Käufe
+ Universal-App
– zu simple Kämpfe
– Rätseldichte lässt sinkt in der Mitte stark
– nervige Spielzeitstreckung
– unoriginelle Geschichte
– englisch