Spätestens wenn gewaltige Pixelmassen sich chaotisch über den Bildschirm bewegen, kommen Retrofreunde auf Touren. Ganz so schlimm, wie es jetzt klingt ist es bei Drift’n’Drive von Allein-Entwickler und Finne Kimmo Lahtinen nicht, dennoch geht bei dem kleinen Retro-Racer gut die Post ab. Eine Fahrtbeschreibung folgt…

Hauptbestandteil des Arcade-Racers aus der Vogelperspektive ist der umfangreiche Karriere-Modus mit seinen fünf Rennserien. Die Strecken fährt man jeweils von unten nach oben ab, die dank zufälliger Erstellung zum Start nie langweilig werden – auswendig lernen kann man also hier vergessen. Fies sind manchmal die Bäume, die kurzzeitig das Auto verdecken, aber auch über Sand und Steine muss man fahren und fiese Schikanen aus Kegeln und Reifenstapeln haben es in sich. Doch in der Summe sind die Strecken erfrischend und kurzweilig.

Dazu gibt es noch kleine Missionen a la “Fahre 6 Kegel um!” oder “Drifte fünf mal!” für etwas zusätzliches Geld und Motivation. Das Tuning ist wichtig fürs Vorankommen und so klingelt es schon bei den einfachsten Rennen in der Kasse – das Spiel ist großzügig, InAppKäufe gibt es sowieso nicht. Immer wieder stattet man der Garage einen Besuch ab und motzt seinen Wagen in Punkto Reifen, Getriebe, Motor, Nitro-Einspritzung und Sondergadgets wie einen Schild oder fiese Gegner-von-der-Strecke-drängen-Installationen auf.

Drift'n'Drive Lokal MultiplayerGesteuert wird mit zwei Fingern für links und rechts, der Wagen gibt automatisch Gas, eine Bremse gibt es erst gar nicht. Wozu auch? Diese Steuerungsart ist präzise und reagiert ohne Verzögerung. Alternativ steht euch noch der Neigungssensor oder Wischgesten zum Lenken zur Verfügung. Spätestens wenn man sich eine Nitro-Einspritzung eingebaut hat, wandert der Finger immer mal wieder zum Boost-Button, den man aber noch in den Optionen vergrößern kann.

Drift’n’Drive ist immer hektisch, zumal sich weit über 10 Wagen über den Bildschirm bewegen. Die KI ist nicht schlecht und kann teilweise ein echtes Arschloch sein, wenn sie einen von der Strecke drängt oder man einen kräftigen Rempler bekommt. Aber so macht ein Rennspiel erst Laune, viel besser als eine dumme KI, die man zu schnell hinter sich lässt. Auch wenn man nur als 8. ins Ziel kommt, lohnt sich das Weiterfahren, denn beim nächsten Rennen, startet man schon an 8. Position.

Weiteres Highlight ist der lokale Multiplayer-Modus, mit dem man an einem iGerät gegen einen Freund oder mit bis zu 4 Spielern (am iPad) gegeneinander antreten kann. Dabei sind die Einstellungsmöglichkeiten enorm, sogar die Ausrichtung der Bildschirmhälften kann man ändern. Doch auch online kann man im Zeitfahr-Modus gegen die Bestzeiten von GameCenter-Freunden antreten. Das schafft auch auf Dauer Motivation für einen neuen Start.

Grafisch ist es zwar keine grobpixelige Retro-Orgie, dennoch ist die Optik auch nicht gerade auf der Höhe der Zeit… Es wäre sicher mehr drin gewesen, doch das will Drift’n’Drive gar nicht sein. Hier gibt es gerade so viel Retro, dass man nostalogisch wird und genau so wenig, dass man keinen Augenkrebs bekommt. Passt. Vorteil der grafischen Reduziertheit sind flüssige Rennen, die laut Entwickler mit bis zu 60fps laufen. Auch beim Sound ist eher zwischendrin, denn die Musik rockt und groovt ordentlich modern aus den kleinen Lautsprechern, die Motorsound und Effekte hingegen kann man getrost als retro bezeichnen.

Start, Panik, Chaos, Reifenstapel, Aaaaaaah! Auch wenn es Arcade-Racer in dieser Form schon viele gab – Drift’n’Drive kann zwei Sachen besonders gut: Erstens motiviert es durch gutes Game-Balancing und zufällig generierte Strecken zum Dranbleiben und Weiterfahren. Und zweitens ist es herrlich schnell und chaotisch. Die Grafik ist keine Augenweide und sieht auf den ersten Blick eher meh aus, aber ist in Verbindung mit der Soundkulisse und dem Gameplay schon nach kurzer Zeit irgendwie charmant. Dazu gibt es noch einen tollen lokalen/online Multiplayer-Modus für den Besuch bei Freunden, wodurch ich virtuellen Rennfahrern den kleinen Arcade-Racer empfehlen kann. Zumal er zum kleinen Preis viel Spielspaß ohne InAppKäufe bietet.

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+ angenehme Retrografik
+ präzise Steuerung
+ viele Renn-Serien
+ läuft flüssig
+ viele Tuning-Möglichkeiten
+ lokaler Multiplayer-Modus (bis 4 Spieler)
+ zufällig generierte Strecken
+ Zeitrennen mit Ghost
+ Zeitrennen via GameCenter
+ gut ausbalanciert / motiviert
+ guter Soundtrack
+ keine InAppKäufe!
+ GameCenter-Anbindung
+ Universal-App
– englisch
– keine iCloud Savegames