Seit dem Debüt des ersten Lifeline im AppStore erfreuen sich Text- bzw. Chat-basierte Adventures großer Beliebtheit. Während die Lifeline-Entwickler 3 Minute Games bereits unzählige Nachfolger und Erweiterungen herausgebracht haben, wagt sich Publisher Telltale mit einer großen TV-Lizenz erstmals an ein ähnliches Konzept. Mr. Robot:1.51exfiltrati0n.ipa, entwickelt von Night School Studios, spielt zeitgleich zur ersten Staffel der gleichnamigen (empfehlenswerten) TV-Serie Mr. Robot. Es setzt zeitlich, wie die Seriennummer im Titel erahnen lässt, kurz nach der fünften Episode der ersten Staffel an.

Mr. RobotWir spielen dabei quasi uns selbst und finden gleich zu Beginn ein einsames Smartphone am Straßenrand und stecken dieses zwecks Selbstbereicherung natürlich prompt ein. Ein fataler Fehler, wie uns im Laufe der darauf folgenden 10-20 Minuten bewusst wird. Das komplette Spiel simuliert eine Chat-App der Firma E-Corp inklusive Nachrichten, Kontakten und Anhängen. Ab der ersten Sekunde des Spiels füllt sich die Inbox langsam und kontinuierlich mit diversen Textnachrichten von Nummern, die wir selbstredend nicht kennen.

Wir erhaschen einen kurzen voyeuristischen Blick in das Leben der Person, der dieses Telefon gehört hat – sei es durch Bestell-Bestätigungen bei der örtlichen Pizzeria, Erinnerungen der Bibliothek oder Kontakte, die uns in Gespräche verwickeln. Es dauert nicht lange, bis sich die eigentliche Besitzerin des Geräts, Darlene, lauthals bei uns meldet und uns Diebstahl unterstellt.

Darlene ist Teil der Hackerorganisation “fsociety” und hat wichtige Daten auf ihrem Smartphone, die wir beim Einrichten des SMS-Dienst aber unglücklicherweise per Formatierung der SD-Karte ins Nirvana geschickt haben. Die Lösung: Wir stehen so lange in Darlenes Schuld und müssen ihr helfen, bis sie diese Dateien wiedererlangt hat. Wir wurden somit kurzerhand per SMS zum Handlanger einer Hackergruppe befördert.

Realismus statt Märchen

Mr. RobotWährend Lifeline mit einem ähnlichen Konzept bereits versuchte, uns in authentische Konversationen mit einem fiktionalen Charakter und dessen Geschichte zu verweben, hebt Mr. Robot dieses Konzept auf ein neues Level. Immer wieder haben wir Chat-Kontakt zu diversen Personen, erhalten fiktiven Spam und müssen einige Hürden überwinden, um an die verschollenen Dateien zu gelangen. Da wir natürlich keine praktische Erfahrung mit Hacking haben, müssen wir unsere neue und unfreiwillig gewählte Chefin anders unterstützen…

Im Laufe der Geschichte bedeutet dies primär sich Passwörter von wichtigen Personen zu erschwindeln oder anderen Personen bestimmte Dateien unterzujubeln. In bestimmten Abständen bekommen wir Telefonnummern und Instruktionen und müssen meist durch perfides Lügen von da an versuchen, ans Ziel zu gelangen. Dazu geben wir uns zum Beispiel als die Personalabteilung aus und versuchen die Antworten zu Sicherheitsfragen zu erhaschen oder ähnliches.

Dabei hat jede Entscheidung auch eine moralische Komponente. Wenn die Reaktion unserer potentiellen Opfer zögerlich ist, können wir an einigen Stellen auch zum Erpressen übergehen, also per Brechstange die Informationen erzwingen. Im Grunde handelt es sich hier bei dem von Telltale bekannten Prinzip der Entscheidungen, um die Geschichte individuell voran zu treiben. Ähnlich wie bei diesen Spielen ändern diese Entscheidungen den Verlauf und Ausgang der Story aber nur minimal. Im eigentlichen Moment können diese jedoch nicht selten für kleine Stressmomente sorgen. Soll ich wirklich das Leben einer Person zerstören, um einer anderen unbekannten Person zu helfen?

Das Interface ist angenehm minimalistisch, es gibt keine InAppKäufe und es wird keine Internetverbindung zum Spielen benötigt. Einziger Wermutstropfen ist die Länge des Spiels und die eher vorgegaukelte Kontrolle. Die Textnachrichten trudeln zwar über den Echtzeit-Verlauf von einigen Tagen herein – zusammengenommen ergeben diese jedoch nicht einmal zwei Stunden Spielzeit.

Das gesamte Konzept und die Umsetzung von Mr. Robot:1.51exfiltrati0n.ipa wirklich phänomenal gelungen. Mr. Robot verbringt viel Zeit und Mühe damit, ein authentisches Erlebnis zu schaffen und macht somit die komplette Situation glaubwürdig und im Umkehrschluss deutlich spannender. Das erlaubt viel tiefer in die Geschichte einzusteigen und am Ende wirklich einen Art der Verantwortung für Entscheidungen zu spüren. Gerade weil das Konzept und die Umsetzung sehr gut gelungen ist, ist es ernüchternd nach so kurzer Zeit bereits mit dem Abspann konfrontiert zu werden. Wer die Serie nicht kennt, kann das Spiel trotzdem verstehen und genießen können (Englischkenntnisse vorausgesetzt). Wer jedoch Angst vor Serien-Spoilern hat, sollte sich zuerst die komplette erste Staffel zu Gemüte führen.

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